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Familie/Freizeit/Land und Leute

06.08.2010 -  

Serie: Gut integriert in Angeln – 5. Folge: Der gebürtige Iraner Madjid Shahbazi

Bild - Serie: Gut integriert in Angeln – 5. Folge: Der gebürtige Iraner Madjid Shahbazi

 


Madjid Shahbazi mit Tochter Raana Simin (r.) und seine Frau Nicoll mit Tochter Tara Maria haben in Quern eine gemeinsame Heimat. Foto: Ursel Köhler


Ein persischer Architekt im Querner Küsterhaus


„Integration“ ist das Zauberwort in der Debatte über den Umgang zwischen Ausländern beziehungsweise Personen mit ausländischer Herkunft, die in Deutschland leben, und den hier angestammten Menschen. Oft wird mangelnde Integration beklagt, aber es gibt auch gute Beispiele. Hans-Joachim und Ursel Köhler haben solche in ihrer Heimatregion Angeln gefunden und für das Bauernblatt beschrieben. Dabei zeigt sich: Integration ist immer eine Sache von beiden Seiten.


Geboren und aufgewachsen ist der 52-jährige Madjid Shahbazi in der persischen Hauptstadt Teheran. Seit 2000 lebt er mit seiner aus Großsolt stammenden Frau Nicoll (42) in Quern. Beide sind Architekten und arbeiten und wohnen im ehemaligen Küsterhaus. Hier fühlt sich die Familie wohl. Tochter Raana Simin (11) besucht das Kappelner Gymnasium, und die achtjährige Tara Maria ist Grundschülerin in Steinbergkirche. Der 25-jährige Sohn Ramin aus erster Ehe von Madjid Shahbazi ist Berufssoldat und längst aus dem Haus.


„In Quern sind wir nett aufgenommen und gleich in die Nachbarschaft eingebunden worden“, erzählt der Perser, der 2002 die deutsche Staatsbürgerschaft beantragte und erhielt. Auch wenn die Klientel des Architektenpaares vor allem im Hamburger Raum angesiedelt ist, so nehmen beide die langen Wege gerne in Kauf. Denn die in Quern funktionierende Gesellschaft, in der „alle offen aufeinander zu- und miteinander umgehen“, will die Familie nicht missen. Wegen der tollen Gemeinschaft war es für Madjid Shahbazi 2001 selbstverständlich, in die Feuerwehr Groß Quern einzutreten: „Dabei sein und helfen, das gehört im Dorf ganz einfach dazu.“


Aber der Weg nach Quern sei lang und kompliziert gewesen, erzählt Shahbazi, dessen Name in der iranischen Amtssprache Farsi so viel wie „Falkenkönig“ bedeutet. Er entstammt einer Familie von Feudalherren, deren Wurzeln sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Der Vater diente in der Leibwächtergarde des persischen Schahs Mohammed Reza Pahlavi, des letzten Herrschers auf dem Pfauenthron.


„Wir waren vier Kinder“, erzählt der Architekt. Er und seine Geschwister wurden von der Mutter, einer Lehrerin, erzogen. Während der Vater Moslem war, gehörte die Mutter zu den Zarathustra-Anhängern, die mehrere Jahrhunderte lang die ethischen Richtlinien im großpersischen Reich bestimmten, heute aber kaum mehr bekannt sind. Sich selbst bezeichnet der 52-Jährige heute als konfessionslos.


Nach der Schule, so sein Werdegang, ging er 1975 zur iranisch-kaiserlichen Marine. Damals führte ihn sein Weg erstmals nach Deutschland – als Offiziersanwärter wurde er drei Jahre lang an den Marinewaffenschulen Mürwik, Ellenberg und Kiel ausgebildet. Von 20 Offiziersanwärtern schafften sieben das „Klassenziel“ und kehrten als Leutnant zur See zurück in den Iran, wie Persien als Staat heißt. „Ich kam mitten hinein in die Islamische Revolution“, erinnert sich Shahbazi. Die Mutter war inzwischen mit den Geschwistern in die USA ausgewandert. Als im Februar 1979 Schah Mohammed Reza Pahlavi gestürzt wurde und ins Exil ging, begleitete ihn auch Shahbazis Vater in die USA.


„Anfangs glaubte ich an die Revolution und daran, dass das Volk die Macht übernehmen würde“, erzählt Madjid Shahbazi. Ein halbes Jahr tat er Dienst bei der Marine in Bandar e-Abbas am Golf von Oman. Doch schnell wurde ihm klar, dass alles auf eine Diktatur durch religiöse Fanatiker hinsteuerte: „für mich keine Basis“.


Also verließ er sein Heimatland und kam 1980 über Paris nach Deutschland, genauer gesagt nach Flensburg. Hier wohnte seine Freundin, die er während seiner Ausbildung an den deutschen Marinewaffenschulen kennengelernt hatte. Zusammen wanderten sie nach Miami aus und heirateten. Doch seine Frau zog es noch im gleichen Jahr zurück nach Deutschland, sodass beide wieder nach Flensburg übersiedelten.


Von 1981 bis 1987 absolvierte Madjid Shahbazi anschließend in Eckernförde ein Architekturstudium. „Ich brauchte aber auch so lange, weil ich mit verschiedenen Jobs mein Studium finanzierte.“ Dazu gehörte zum Beispiel das Austragen von Zeitungen.


Es war ein Flensburger Architekt, der ihm nach dem Abschluss dann den Einstieg in seinen Beruf ermöglichte. „Dafür bin ich ihm noch heute dankbar“, sagt der 52-Jährige. Die deutsche Sprache hatte er mittlerweile durch den täglichen Gebrauch und mithilfe von Kursen am Goethe-Institut in Passau und am Bundessprachenamt in Hürth bei Köln perfekt gelernt.


1994 wurde seine Ehe geschieden. Seine jetzige Frau lernte Shahbazi in Flensburg kennen, wo sie als angehende Architektin ein Praktikum absolvierte – 1997 heirateten die beiden, und zusammen machten sie sich im Jahr darauf zunächst in Dannewerk selbstständig. Als sie einmal über die Dörfer fuhren, entdeckten sie in Quern das leer stehende Küsterhaus und mieteten es. „In dieser Gemeinde haben wir uns nie fremd gefühlt, hier ist unsere gemeinsame Heimat“, ist sich die Familie einig. Heimweh nach Persien? Madjid Shahbazi winkt ab – aber den Kontakt zu seiner Familie, die nicht in den Iran zurückgekehrt ist, den hält er.


Wie es sich mit einem Perser lebt? Ehefrau Nicoll formuliert das so: Seine orientalische Mentalität macht sich bei seinen Entwürfen bemerkbar – er liebt Ornamente. Madjid Shahbazi ergänzt: „Dann kommt sie und reduziert alles auf das Wesentliche.“ Beide unisono: „Diese Art der Zusammenarbeit – gepaart mit deutscher Pünktlichkeit und persischer Höflichkeit – macht unser Leben aus.“


Ursel Köhler


 


 


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