Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Familie/Freizeit/Land und Leute

02.08.2010 -  

Aufs Korn genommen


Schäl langsam!


Wie furchtbar schnelllebig ist doch unsere Zeit! Sogar das Schälen von Gemüse kann nicht rasch genug vonstattengehen. „Na, wieder mal zu lange beim Schälen verbracht?“, spottet eine Zeitungsanzeige, die Abhilfe für nur 4,95 € verspricht: „Da haben wir genau das richtige für Sie: Der Schälblitz hilft Ihnen, Obst und Gemüse in der halben Zeit zu schälen.“ Und weiter: „Der Spanabweiser wirft bei zügigem Schälen die Schale neben das Schälgut. Nach kürzester Einarbeitung werden Sie Ihren Schälblitz nicht mehr missen wollen.“


Dabei ist sorgfältiges, ruhiges Schälen doch eine meditative Tätigkeit, die uns wieder in unserer Mitte zentriert, zumal wenn sie mit bewusster Atmung begleitet wird. Ich bin ein überzeugter Anhänger von „slow peeling“, und das gelingt am besten mit der Schälschnecke.


 Diese weist eine besonders stumpfe Klinge auf, welche zudem noch so gebogen ist, dass sie kaum etwas von der Schale erwischt. Die Späne, die sie dennoch von Frucht oder Wurzel zu lösen vermag, werden nicht achtlos „neben das Schälgut geworfen“, sondern bekommen Gelegenheit, genügend lange zwischen Fingern, Messer und Frucht zu verweilen und sich gebührend zu verabschieden, bevor sie den Weg in den Kompost und damit zur künftigen Wiedergeburt als Salat antreten.


Ich besitze bereits eine Anzahl solcher Schäler, die ich dafür gerne zur Verfügung stelle. Ich denke, 9,95 € werden nicht zu viel sein für diese Erfahrung.


Tonio Keller


transparent  


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