Familie/Freizeit/Land und Leute
02.08.2010 -
Rehkitze als Flaschenkinder, Storch als Dauermieter
Foto 1: Der mit dem Storchen spricht: Dirk Fußbahn ist gelernter Tierarzthelfer und Tierpfleger.
Foto 2: Flaschenkinder sind diese Rehkitze noch, die von Roswita Fußbahn aufgepäppelt werden. Fotos: Georg von Baudissin
Wildtierhilfe in Nordhastedt päppelt bis zu 1.000 Tiere im Jahr auf
Zur Begrüßung steht ein handzahmer Weißstorch vor der Haustür und klappert aufgeregt. Hier auf dem Resthof am Ende des Ortsteils Fiel von Nordhastedt in Dithmarschen lebt das Ehepaar Dirk und Roswita Fußbahn mit drei Kindern. Es hat die „Wildtierhilfe Fiel“ gegründet und nimmt sich Wildtierfindlingen und verwaister Exoten an, zieht sie per Hand auf und pflegt sie bis zur Wiederauswilderung. Was nicht immer möglich ist. Dann bleiben die Tiere als Dauerpfleglinge hier, wie dieser Storch. Das Anwesen ist wie eine Arche Noah. 800 bis 1.000 Tiere werden pro Jahr aufgepäppelt und meist in die Natur entlassen.
Sorgenkinder sind gerade zwei Rehkitze, um die es sehr schlecht bestellt war, die aber durch die Fürsorge von Roswita Fußbahn über den Berg sind. Das Muttertier des einen war überfahren worden. Das zweite Kitz stand ausgehungert auf der Landstraße. Vermutlich war die Ricke ebenfalls ums Leben gekommen.
Die erste Woche mussten die Bambis stündlich, die zweite Woche zweistündlich und dann mit längeren Zeitabständen mit einer Spritze, schließlich mit einer Babyflasche mit Nuckel gesäugt werden. Sie bekommen Biestmilch (Erstmilch für Säuglinge), dann Lämmeraufzucht- oder Ziegenmilch. Schließlich kleine Blätter und Kräuter.
Das Problem, dass Ricken ihre Jungen oft auf Erntefeldern verstecken, ist in diesen Tagen noch nicht vorbei, wenn sie nämlich ihre Jungen erst spät gesetzt haben. Die Mähmaschinen sind eine tödliche Gefahr für Tierkinder. Ihr Instinkt lässt die Kitze sich mucksmäuschenstill verhalten und sich ducken, sodass sie leicht übersehen und zerstückelt werden. Landwirte sollten die Felder vor der Mahd ablaufen und sie verscheuchen. Oder den Jäger benachrichtigen, der Schutzmaßnahmen trifft, beispielsweise das Anbringen von Flatterbändern am Rand des Feldes vor dem Tag des Mähens.
Dirk und Roswita Fußbahn haben ungezählten Rehkitzen, Wildschweinferkeln, Dachsen, Steinmardern, Waschbären, Erdmännchen, Eichhörnchen, Feldhasen, Marderhunden, Rotfüchsen, Fledermäusen, Waldkäuzen, Schleiereulen und vielen anderen ins Leben verholfen. Viele Leute rufen an, um Rat und Hilfe zu erbitten. Auch Tierschutzvereine und der Naturschutzbund bringen Tiere vorbei. Die Fußbahns führen auch Schul- und Kindergartenkinder durch ihre Tierwelt. In Schulen bieten sie Sachkundeunterricht an.
Im vergangenen Jahr wurde die Wildtierhilfe des Ehepaars mit dem bundesweit zweiten Preis des Deutschen Tierschutzbundes ausgezeichnet. Ihre Arbeit ist ehrenamtlich. Tiere zu füttern, zu pflegen und mitunter dem Tierarzt vorzustellen ist enorm zeit- und kostenaufwendig.
Es gibt ein Spendenkonto bei der Sparkasse Hennstedt-Wesselburen: Nr. 191 025 857 (BLZ 21852310). Der Verein Wildtierhilfe Fiel e.V. ist gemeinnützig. Für Spenden gibt es steuerlich absetzbare Bescheinigungen, die per E-Mail angefordert werden können. Auch Patenschaften für Tiere können ab 5 €/Monat übernommen werden, mit denen der ganzjährige Unterhalt und Tierarztkosten gewährleistet werden. Der Pate erhält eine Urkunde mit seinem Namen und dem Foto des Tieres.
Georg von Baudissin
www.wildtierhilfefiel.de
Tel.: 0 48 04-18 65 14





