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26.07.2010 -
Kunst und Genuss im „M1“ in Hohenlockstedt
Jutta Thiemrodt (v. li.), Margret Stolzenburg, Kirsten Möllgaard, Regina Payonk, Martin Jeß und Andy Cayli präsentierten die „Hohenlockstedter Schlemmerkiste“. Foto: Sönke Hauschild
Verführung zum Augen- und Gaumenschmaus
Nicht wie gewohnt zu Kunstgenuss, sondern zu „Kunst und Genuss“ lud die Arthur-Boskamp-Stiftung am 4. Juli in das Kunsthaus „M1“ in Hohenlockstedt ein. Dabei präsentierten sich die sehr konkreten „Genusspartner“ aus dem regionalen Lebensmittelbereich im Rahmen der etwas abstrakten Ausstellung „Right Right Now Now“ – was so viel wie „genau jetzt“ bedeutet, die Wiederholungen dabei sind wohl als Anspielung auf den Filmtitel „Same Same But Different“ von Detlev Buck gedacht.
Stiftungsvorsitzende Ulrike Boskamp begrüßte die erstmalige Aktion: „Wir möchten internationale Kunst nach Hohenlockstedt holen, und wir wollen vor Ort nützlich sein.“ Plakativ gesagt: Mit der Einrichtung will man auch Hamburger und Berliner erreichen – aber vor allem Menschen aus dem räumlichen Umfeld Hohenlockstedts. Doch während das Kunsthaus „M1“ mit seinen wechselnden Ausstellungen regionaler und internationaler Künstler unter Kennern inzwischen als Geheimtipp gehandelt wird, muss man den unmittelbaren Nachbarn schon eine Zusatzfunktion bieten. Die Geschmäcker sind eben verschieden.
Deshalb, so Ulrike Boskamp, kam das Anliegen des örtlichen Gewerbevereins gerade recht, die Themen Kunst und Genuss auf „sinn-hafte“ Art und Weise zu verbinden. Von einer Sinnerweiterung durch Gaumenreize sei schon in der Romantik die Rede gewesen, wusste ein Gast zu berichten. Und so zeigten in Haus und Garten des M1 die überregional bekannten „Marken“ des Ortes, was sie zu bieten haben. Dazu gehören sicherlich der meierhof Möllgaard, die Bäckereien Soth und Lola Café sowie die Schlachterei Schröder. Gemüse vom Hof Stolzenburg trug ebenso zum Genuss bei wie die Pellkartoffelsalze von Reco oder des Apothekers Magenbitter.
Dass diese Produkte auch künstlerisch durchaus anregende Wirkung haben, bezeugt Boskamp. Sie berichtet von Stefan Panhans, der 2008 den Förderpreis für Bildende Kunst der Boskamp-Stiftung gewann. Ihm sei die seltene Vielfalt an regionalen Produkten im Hohenlockstedter Käseladen ein Genuss gewesen, und er habe viel Besucher dorthin „geschleppt“. Umgekehrt erhofft sich Ulrike Boskamp mit der Genussaktion nun mehr regionale Besucher im M1. Mit der Kombination von Kunst und Genuss ist die Stiftung zumindest endgültig im Ort angekommen. Gut 500 Besucher schätzte der Gewerbeverein für den Sonntag.
Das Zusammentreffen von Kunst und Genuss scheint nun weitere Sinne angeregt zu haben, unter anderem den Geschäftssinn der Gewerbetreibenden. So wurde im Rahmen der Veranstaltung die „Hohenlockstedter Schlemmerkiste“ ins Leben gerufen, gefüllt mit regionalen Produkten. Fünf Kisten wurden allein im Laufe des Tages verkauft. Die Schlemmerkiste als Aushängeschild der Region empfehle sich als Präsent gerade für Unternehmen, meint Kirsten Möllgaard vom meierhof. Doch auch Kunsthistorikerin Ulrike Boskamp wartet mit neuen Ideen auf. Um das M1 weiter mit Leben zu füllen, wird es ab September in regelmäßigen Abständen ein Dorfkino im Kunsthaus geben.
Zum Konzept der Boskamp-Stiftung gehört neben der Förderung zeitgenössischer Kunst der regelmäßige Wechsel der künstlerischen Leitung. Innerhalb eines Jahres sollen mindestens drei Ausstellungen im M1 organisiert werden. Derzeit begleitet Katja Schröder, Direktorin des westfälischen Kunstvereins in Münster, die Ausstellung für ein Jahr. Die Stiftung vergibt jährlich Förderpreise, die mit je 2.000 € dotiert sind. Zusätzlich kann der Preisträger für drei Monate eine Wohnung sowie ein Atelier im Haus nutzen.
Sönke Hauschild





