Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Familie/Freizeit/Land und Leute

09.07.2010 -  

„Heider Marktfrieden“ vom 15. bis 18. Juli

Bild - „Heider Marktfrieden“ vom 15. bis 18. Juli


Straßenmusiker, Gaukler, Händler und Handwerker des Mittelalters bestimmen das Bild des historischen Markttreibens. Foto: Dieter Brumm


Eintauchen ins Mittelalter


Alle zwei Jahre legt Deutschlands größter Marktplatz sein mittelalterliches Gewand an, dann wird „Heider Marktfrieden“ gefeiert. An vier Tagen (15. bis 18. Juli) bietet sich ein mittelalterliches Markttreiben mit Händlern, alter Handwerkskunst, bäuerlichem Viehmarkt, Schaustellern, Gauklern, Musikanten und Tänzern in farbenfrohen Gewändern.


Am 13. Februar 1447 wurde auf dem Heider Marktplatz das erste Dithmarscher Landrecht verkündet, in dem als ein wesentlicher Bestandteil auch der „Marktfrieden“ verankert war. Er garantierte einheimischen und auswärtigen Kaufleuten, dass sie geschützt vor Gewalt und Gefahr friedlich ihren Geschäften nachgehen konnten.


In der Blütezeit der Dithmarscher Bauernrepublik (1447-1559) trafen sich auf dem Heider Marktplatz jeden Sonnabend am Markttag die 48 Regenten als Richter und Ratgeber. Trotz des Verlustes der politischen Unabhängigkeit nach der „Letzten Fehde“ gegen den dänischen König und seine Gefolgsleute im Jahr 1559 gelang es ihnen, ein hohes Maß an Eigenständigkeit zu bewahren, das Dithmarschen über 300 Jahre eine Ausnahmestellung sicherte und noch heute jeden Sonnabend am Markttag für „Marktfrieden“ sorgt.


Der „Heider Marktfrieden“ wird gefeiert mit einer echten Bauernhochzeit, einem Festspiel vor der Kulisse der St.-Jürgen-Kirche sowie dem mittelalterlichen Markttreiben. Es heiratet ein echtes Brautpaar: dieses Jahr Meike Hermann und Jan Marcel Rahder aus Heide. Ein lebhafter Hochzeitszug mit Reitern, Landknechten, Musikanten und Kutschen marschiert auf. Auf einem wuchtigen Ochsenkarren wird das Brautgut präsentiert: Kisten mit Geschmeide, Betten, Kleidern, Leinen. Der Hochzeitstanz erfolgt zu den Klängen von Dudelsack und Krummhörnern. Traditionelle Brautlieder erklingen. Heide lacht, tanzt, feiert eine Traumhochzeit wie im Mittelalter.


Das Festspiel erinnert an die alte Bauernrepublik: Laiendarsteller und Profischauspieler zeigen auf einer riesigen Freilichtbühne, wie es vor über 500 Jahren zuging. Das Schauspiel „Sag dem König Gute Nacht oder Das alte Lied der Freiheit“ ist eine Mammutaufführung mit deftigen Szenen (Beschreibung siehe unten). Geschrieben hat das Stück der Dithmarscher Schriftsteller Heiner Egge.


Neben der Gerichts- und Ratsversammlung wurde der Wochenmarkt abgehalten, wie auch heute noch. Beim Markttreiben kann der Besucher ins Mittelalter eintauchen. Nichts erinnert mehr an die Neuzeit. Auch die Speisekarte nicht: „Ferchel praten met salse Robert“ wird da etwa angepriesen. Aber ebenso gut soll die altdeutsche Kohlsuppe schmecken. Und getrunken wird Dithmarscher „Buernbeer“ aus Krügen. Für die Kinder gibt es eine historische Spielzeile: Springen vom Leiterwagen in die riesigen Heuballen, Töpfern, Malen oder dem Märchenerzähler Lauschen. Gegen Abend lodern dann in den „Dörfern“ auf dem Heider Marktplatz die Lagerfeuer – ein Ausklang in mittelalterlicher Gemütlichkeit. Dieter Brumm


Programmübersicht: www.stadt-heide.de


 


Schauspiel „Sag dem König Gute Nacht“


Im Fackellicht in die Schlacht ziehen


Dithmarschen hatte sich seit 1434 zu einer unabhängigen Bauernrepublik entwickelt, die ständig von den Eroberungsansprüchen der umliegenden Fürsten bedroht wurde. Im Jahr 1500 spitzt sich die Lage zu. Der dänische König Johann I. und sein jüngerer Bruder Friedrich von Holstein wollen Dithmarschen endgültig einnehmen, marschieren mit einem gewaltigen Herr ein. Doch sie rechnen nicht mit der tapferen Telse, jener sagenhaften Jungfrau, die das Dithmarscher Bauernheer zum Sieg führen wird.


Telse von Hochwöhrden steht im Mittelpunkt des Freilichtspiels „Sag dem König Gute Nacht“, das beim „Heider Marktfrieden“ (15. bis 18. Juli) aufgeführt wird. Die Rolle der Telse spielt wie in den Jahren zuvor Gabriela Hotsch, auch die anderen Profischauspieler und fast 50 meist bewährte und erfahrene Laiendarsteller machen wieder mit. Zwei Veränderungen gibt es allerdings bei den Berufsschauspielern: Kai Adler, der Reimer von Wiemerstedt spielte, kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mitwirken. Seine Rolle übernimmt Jan Opderbeck. Und Arlette Stanschus, die das Tanzmädchen spielte, erwartet ein Baby. Ihre Rolle übernimmt Insina Lüschen. Auch am Ablauf wird sich etwas ändern. Die Szene „Nach der Schlacht“ am Ende des Stückes fällt weg. Dafür soll es eine neue Szene geben, die gleich nach der Einstiegsszene aufgeführt wird. Sie spielt in der Küche in Hochwöhrden, wo Telse noch einmal zum Bauernmädchen wird.


Regie führt auch in diesem Jahr Dagmar Kurr-Mensing, die bemüht ist, die Aufführung stetig zu verbessern. Gar nicht so leicht, denn das Schauspiel „Sag dem König Gute Nacht“ des Dithmarscher Schriftstellers Heiner Egge ist eine gewaltige Mammutaufführung.


Mehr Raum erhalten die Lichteffekte, deshalb beginnen die Abendaufführungen am Donnerstag und Freitag (15. und 16. Juli) erst um 21 Uhr. Brennende Fackeln und spezielles Scheinwerferlicht sollen die Spannung erhöhen, wenn die gefürchtete Schwarze Garde des Dänenkönigs in die Schlacht gegen die Dithmarscher reitet.


Dieter Brumm


transparent  


[Gesamtansicht] · [drucken] · [top]