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02.07.2010 -
„Eine kleine Improvisation – polnische Kunst heute“ in der Kieler Stadtgalerie
Foto 1: Der Dzig 21, eigentlich ein Einachser, ist hier zum kompletten Traktor ausgebaut. „Dzig“ bedeutet auf Deutsch „Wildschwein“ und war als Typenbezeichnung auch für U-Boote oder Panzerwagen beliebt.
Foto 2: Eine Art Lanz-Bulldog Buggy, der noch gute Dienste tut.
Fotos: Lukasz Skapski, Repro: Tonio Keller
Renn-Wildschweine haben den Sozialismus überrundet
Für uns sind es groteske Maschinen, wie man sie in einer kuriosen Ausstellung moderner Kunst finden kann. Für ihre „Konstrukteure“ waren es Arbeitsgeräte, die ihnen den täglichen Broterwerb ermöglichten: landwirtschaftliche Maschinen, die Bauern in den Vorkarpaten in der Zeit des Sozialismus zusammengebastelt haben. Der polnische Künstler Lukasz Skapski hat sie zwischen 2005 und 2007 fotografiert und zeigt 72 dieser Fotos im Rahmen der Ausstellung „Eine kleine Improvisation – polnische Kunst heute“ in der Kieler Stadtgalerie.
Die Maschinen laufen noch immer wie am Schnürchen und tun gute Dienste, versichern ihre Besitzer stolz: „Auf 80 km/h kommt sie, wenn es bergab geht, aber es sind ja nur 25 km/h erlaubt“, beteuert einer – „funktioniert noch heute wie damals und brauchte nie eine Reparatur“, ein anderer – „niedrig im Verbrauch“ ein dritter. Diese O-Töne sind auf einem 9 min dauernden Video zu vernehmen, das in der Ausstellung läuft – Untertitel auf Englisch.
Wer gelernt hat, sich zu arrangieren, hat auch gelernt, zu improvisieren. In Polen in der Zeit des Sozialismus fehlte es bekanntermaßen an allem Möglichen, und so musste man das Beste aus dem machen, was man hatte. Dieser Erfindungsreichtum spiegelt sich auch in den übrigen Werkstücken der Ausstellung wider: in der Videoaufnahme von einem „Ballett der Kräne“ in der Danziger Werft, in einer maßstabsgetreuen Nachbildung eines Wohnblocks – aus 10 kg Wolle gehäkelt – oder in einer Komposition mit dem Titel „100 kg Kartoffeln für Schlagzeug“.
Die Stadtgalerie Kiel befindet sich in der Andreas-Gayk-Straße 31, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 19 Uhr, Sonnabend und Sonntag 11 bis 17 Uhr. Eintritt 3 €, ermäßigt 1 €. Die Ausstellung ist noch bis zum 29. August zu sehen.
Tonio Keller





