Familie/Freizeit/Land und Leute
14.05.2010 -
4. Oldtimer-Trecker-Pflügen im Treenetal
Marcus Carstensen (33) ließ seine Tochter Freya auch einmal ans Steuer. Die Fünfjährige war natürlich begeistert. Foto: Peter Mai
Alte „Arbeitstiere“ auf dem Acker
Bereits zum vierten Mal veranstalteten die im Jahr 2005 gegründeten „Oldtimerfreunde Treenetal Eggebek“ ihr Oldtimer-Trecker-Pflügen. Auf der Koppel des landwirtschaftlichen Betriebes Nico Evers in Eggebek, Westerfeld, trafen sich mehr als 20 dieser teilweise 60 Jahre alten, toll restaurierten „Arbeitstiere“ mit jungen und älteren Lenkern, um saubere Furchen zu ziehen, zu fachsimpeln und auch die Gemeinschaft zu pflegen.
Der Vereinsvorsitzende Peter Carstensen ist froh, dass alle so gut durch diesen langen und harten Winter gekommen sind: „Wer seinen Oldtimer in einem geschlossenen und möglicherweise auch noch geheizten Raum unterstellen und daran arbeiten konnte, der war gut dran“, erklärt er. Wer nicht diesen Luxus hatte, der habe schon Probleme gehabt, Lackier- oder andere Wartungsarbeiten durchzuführen. Aber an diesem Tag sind alle Trecker gepflegt, die Pflugscharen blank gewienert. Nach drei Stunden mit sonorem Tuckern und Staubwolken sind die 6 ha Ackerland gepflügt und für den geplanten Maisanbau vorbereitet.
Gleich als Erster auf der Furchenpiste ist Marcus Carstensen, 33 Jahre alter Sohn des Vorsitzenden. Er hat seine fünfjährige Tochter Freya auf dem Beifahrersitz und lässt sie sogar im langsamsten Gang steuern, was bei der Kleinen ein Strahlgesicht erzeugt. Der Trecker ist ein 15-PS- Deutz, den Marcus Carstensen von seinem Opa geschenkt bekommen und in zweijähriger Arbeit aufgemöbelt hat. Nun pflügt er mit. „Im Jahr besuche ich jede Menge Oldtimertreffen, fahre bis zu 2.000 km sogar bis an die holländische Grenze“, erzählt er fröhlich lachend.
Mit einem wie neu aussehenden Hanomag Brillant 600 zieht der 67-jährige ehemalige Landwirt Heinrich Jürgensen aus Esperstoft seine geraden Furchen, über die er und die Zuschauer begeistert sind. Welches Baujahr sein Trecker hat, kann er nicht genau sagen, so „um das Jahr 1970 herum“, vermutet er.
Als ältester Teilnehmer ist der 72-jährige Uwe Sell aus Poppholz dabei. Für den gelernten aktiven Landwirt und späteren Kraftfahrer ist das Pflügen „nur noch Hobby“. Es sei damals schon schwieriger gewesen, mit dem Gerät ein Feld sauber zu pflügen. Heute, mit den größeren Maschinen und verbesserter Technik, sei die Einstellung leichter zu bewältigen.
Das muntere Treiben schaut sich Hayo Schulzki (74) an. Er war bis zum Jahr 2000 Werkstattleiter und Kfz-Meister beim Omnibusbetrieb Gorzelniaski in Flensburg. Er ist bei den Oldtimerfreunden das wandelnde Lexikon, wie Vorsitzender Peter Carstensen es nennt. „Wenn jemand nicht mehr weiterweiß, Hayo hat immer einen brauchbaren Tipp“. Carstensen selbst hat einen Fahr mit 22 PS aus dem Jahr 1952 aufgearbeitet, mit dem er gekommen ist und den er am Ackerrand geparkt hat. „Ich habe keinen Pflug, so bin ich hier nur als Beobachter und kann vielleicht bei Problemen helfen.“ Sein Interesse gilt der alten Technik, der Improvisation bei Problemen und der immer wieder geforderten Kreativität, wenn es keine Ersatzteile mehr gibt oder sonstige Schwierigkeiten auftreten.
Peter Mai





