Schleswig-Holstein

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05.03.2010 -  

Dracula dankt für das Dachquartier

Bild - Dracula dankt für das Dachquartier


Foto 1: Jagende Fransenfledermaus – sie verzehrt in einer Nacht ein Drittel ihres Körpergewichts an Mücken. Foto: Gerhard Mäscher/Nabu


Foto 2: Freudige Gesichter: Herlich Marie Todsen-Reese (li.) überreicht die Urkunden an Landrat Reinhard Sager (2. v. li.) und die Vertreter von Neustadt, Ratekau und der Ameos-Klinik. Foto: Tonio Keller


Ostholstein ist der erste fledermausfreundliche Kreis in Deutschland


Dracula lässt grüßen – lange Zeit war die Fledermaus dem Menschen nicht geheuer. Doch richtig in die Enge kamen die „Kobolde der Nacht“ erst durch den Mangel an Brutmöglichkeiten, weil Höhlen in Totholz und verwinkelte Scheunen immer seltener wurden. Zum Glück hat da eine Wende eingesetzt: Immer mehr Hausbesitzer bringen Fledermausquartiere an, und auch der Ruf der Nachtflieger ist – dank Batman und dem „kleinen Vampir“ – besser geworden, vor allem bei Kindern. Besonders viel wird im Kreis Ostholstein getan: Über die Hälfte der rund 1.200 Plaketten „fledermausfreundliches Haus“ in Schleswig-Holstein hängt hier, und so wurde er nun als erster fledermausfreundlicher Kreis in Deutschland ausgezeichnet.


Sie sind überall zu sehen an den Fassaden auf dem Gelände des Ameos-Klinikums in Neustadt/Holstein, und durch die aufgemalten Fledermäuse erkennt auch jeder, was sie sind: Nist- und Schlafkästen für die Jäger der Nacht. In der Werkstatt des Klinikums werden sie unter Anleitung von den Patienten hergestellt – und natürlich auch gleich vor Ort aufgehängt. Das größte Quartier fasst ein paar Hundert Tiere, denn sie lieben es eng gekuschelt. Für diese Aktivitäten wurde das Ameos-Klinikum jetzt als fledermausfreundliche Institution ausgezeichnet.


Doch nicht nur die Fledermäuse haben einen Vorteil davon, sondern auch die Menschen, die dort leben, arbeiten oder auf Besuch sind, denn eine einzige Zwergfledermaus frisst gut und gern 2.000 Mücken pro Nacht – eine Erleichterung besonders am Neustädter Binnenwasser, wie Klinikdirektor Andreas Tüting hervorhob.


In Neustadt hängen nicht nur 20 Nist- und Schlafkästen auf dem Klinikgelände, sondern 48 weitere an Privathäusern und öffentlichen Gebäuden, weshalb sich die Stadt ebenfalls das Prädikat „fledermausfreundlich“ verdient hat. Besonders hob hierbei Neustadts Bürgermeister Sönke Sela die Betreiber des Umwelthauses am Strand hervor.


Als weiterer Empfänger der Auszeichnung konnten die Vertreter der Gemeinde Ratekau erscheinen, die 60 Kästen im Gemeindegebiet hängen hat und selbst in Sachen Fledermausschutz vorangeht, so etwa beim Neubau der Gesamtschule. „Die Fledermäuse waren schon drin, bevor die Schüler kamen“, berichtet Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller. Des Weiteren erwarb die Gemeinde fünf ehemalige Munitionsbunker bei Pansdorf von der Bundeswehrverwaltung und baute sie um – „alle wurden schon als Quartiere angenommen“.


Das Gemeinschaftsprojekt „fledermausfreundliches Haus“ wird getragen von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und dem Naturschutzbund Nabu, doch die wichtigsten Akteure sind die Menschen vor Ort, die ihr Haus fledermausfreundlich ausstatten. „Die Aktion ist ein lebendiges Beispiel für praktischen Naturschutz“, betonte Herlich Marie Todsen-Reese, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Naturschutz, bei der Feierstunde in Neustadt.


Über 1.200 Plaketten „fledermausfreundliches Haus“ konnten bisher in Schleswig-Holstein vergeben werden, und mehr als die Hälfte davon – nämlich 670 – im Kreis Ostholstein. „Die Leute tippen mich auf der Straße von hinten an und fragen, wie ihr Haus auch fledermausfreundlich werden kann“, erzählt Axel Kramer, der die Aktion maßgeblich gegründet und vorangebracht hat. In Dahme fing es an, 2004, als unter Kramers Regie „60 neue Ferienwohnungen mit Ostseeblick“ für Fledermäuse geschaffen wurden, so Todsen-Reese. 2008 wurden Eutin und Bad Malente-Gremsmühlen zur fledermausfreundlichen Stadt beziehungsweise Gemeinde, 2009 folgte Bad Schwartau. Unterstützung bekam die Aktion auch von der Arge Ostholstein und den Behindertenwerkstätten in Oldenburg, wo wie in der Ameos-Klinik Fledermausquartiere gezimmert werden. Langzeitarbeitslose haben im Rahmen der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft Ostholstein (BQOH) das Aufhängen der Kästen vorgenommen.


Bei all diesen Aktivitäten blieb nicht zuletzt der Kreis selbst als geehrte Institution, hat er doch auch das Kreisverwaltungsgebäude in Eutin mit Nistkästen ausgestattet. „Drinnen sitzen die Beamten und Angestellten, draußen nisten die Fledermäuse – das passt“, sagte Landrat Reinhard Sager und versprach als Vorsitzender des schleswig-holsteinischen Landkreistages , dafür zu sorgen, „dass sich auch die anderen Kreise und Gemeinden im Land mit dem Fledermausfieber anstecken“.


Tonio Keller


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