Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Familie/Freizeit/Land und Leute

05.03.2010 -  

Putlos wird seit 75 Jahren als Truppenübungsplatz genutzt

Bild - Putlos wird seit 75 Jahren als Truppenübungsplatz genutzt


Foto: Das alte Herrenhaus auf Putlos. Es besteht allerdings schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Foto: privat


Foto 2: Oberstleutnant Michael Backs ist derzeit Kommandant des Truppenübungsplatzes. Foto: Bernd Gerwanski


Einsames Gut – Soldaten-Kleinstadt – Feuchtbiotop


Wenn die Kommandantur Putlos zum Jahresempfang auf den Truppenübungsplatz einlädt, dann strömen die Vertreter aus Politik, Verwaltung und Institutionen stets in großer Zahl in das Kasino der Wagrien-Kaserne bei Oldenburg. Auch beim jüngsten Jahresempfang konnte Oberstleutnant Michael Backs viele zivile wie auch militärische Gäste begrüßen. Das Jahr 2010 ist für den Truppenübungsplatz ein denkwürdiges Jahr, wurde er doch vor nunmehr 75 Jahren eingerichtet. Aus diesem Anlass kündigte der Kommandant für den 22. Juli einen Tag der offenen Tür an.


Den Grund für die Schaffung des Truppenübungsplatzes nennt die Jubiläumsfestschrift der Bundeswehr zum 70-jährigen Bestehen des Platzes: „Es begann die massive personelle und materielle Aufrüstung der Wehrmacht, die kriegsfähig gemacht werden sollte, um Hitlers Eroberungspläne Realität werden zu lassen.” So hatte die Reichswehrführung schon ab 1934 „ein abgelegenes Gelände, das einen großen und leicht sperrbaren Gefahrenbereich besaß”, gesucht. Im Februar 1935 begann der Aufkauf der Ländereien, zu denen in der Hauptsache das bisherige Gut Putlos, aber auch weitere landwirtschaftlich genutzte Ländereien gehörten. „Schon im Juli des gleichen Jahres begann der Schieß- und Übungsbetrieb der am 16. März 1935 zur Wehrmacht umbenannten Reichswehr auf dem neu errichteten Truppenübungsplatz.”


Natürlich wurden in Putlos auch die Folgen des Zweiten Weltkriegs deutlich. So habe nach Kriegsende bereits im Jahr 1945 die britische Armee den Schießbetrieb auf Putlos wieder aufgenommen, berichtet die Jubiläumsfestschrift. Später übten auch Truppen anderer Staaten hier an der Ostsee. Vor allem aber wurde Putlos zum Auffanglager für Flüchtlinge aus dem Osten. Etwa 3.000 Menschen, manche Quellen sprechen auch von 5.000, lebten hier über Jahre auf engstem Raum in den Kasernen und in Holzbaracken. Der Ort hatte bald eine eigene Schule, kleinere Wirtschaftsbetriebe, eine Gastwirtschaft, und auch ein schon bestehendes Kino konnte genutzt werden. In Putlos war eine regelrechte Kleinstadt in direkter Nähe der alten Kreisstadt Oldenburg entstanden. Während zu Beginn der 1950er Jahre ein Teil der Flüchtlinge in andere Regionen Deutschlands zog, wurden viele Menschen auch in Oldenburg und umliegenden Dörfern angesiedelt.


Dann rückte die militärische Nutzung wieder in den Mittelpunkt. „Im Zuge der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland und deren Integration in die euro-atlantische Verteidigungsgemeinschaft nahm für die Bundeswehr Major Kurt Heckler am 1. November 1957 die Übernahmeurkunde für den Übungsplatz vom letzten britischen Kommandanten entgegen”, so die Festschrift.


Unabhängig von dem militärischen Betrieb hat Putlos mittlerweile eine hohe Bedeutung im Naturschutz erlangt: „Das Gelände des Truppenübungsplatzes hat etwa 180 ha Waldbestand, sonst ist es überwiegend von verschiedenen Rasenarten und Grasheiden bedeckt”, wird in der Festschrift ausgeführt. „Eingebettet in vielen Senken befinden sich noch völlig intakte Kleingewässer, Quellsümpfe und Kolke mit ihrer charakteristischen Tier- und Pflanzenwelt.” So finden sich auf Putlos Pflanzen und Kleintiere, die in Schleswig-Holstein sonst kaum noch vorkommen.


Wie Oberstleutnant Michael Backs auf dem Jahresempfang berichtete, wurde „der Truppenübungsplatz mit 85 % seiner Fläche vom Land Schleswig-Holstein als Schutzgebiet nach der Flora-Fauna-Habitat-Verordnung (FFH) der Europäischen Union an Brüssel gemeldet“. Daher unterliege der Truppenübungsplatz bei Veränderungen der Landschaft strengen Regeln. Bauvorhaben brauchen mittlerweile einen „nicht unerheblichen Planungsvorlauf”. Eines machte der Kommandant dabei deutlich: „Truppenübungsplätze sind nicht für die Pflege von Feuchtbiotopen geschaffen worden, sondern haben in erster Linie die Ausbildung von Soldaten sicherzustellen.” Dabei kann die Bundeswehr nach wie vor im nahen Oldenburg auf eine besonders hohe Akzeptanz der Bevölkerung und der Kommunalpolitik setzen.


Der letzte Tag der offenen Tür fand vor fünf Jahren statt. Dabei wurden etwa 10.000 Besucher gezählt. Wie Oberstleutnant Michael Backs erklärte, rechne man auch in diesem Jahr wieder mit einer ähnlichen Zahl.


Bernd Gerwanski


 


 


transparent  


[Gesamtansicht] · [drucken] · [top]