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12.02.2010 -
Wasserleitungsgenossenschaft Sarlhusen feierte 100-jähriges Bestehen
Foto 1: Verbindungsstück zwischen den beiden Wasserkesseln.
Foto 2: Markus Kracht hielt den Vortrag über die Geschichte der Wassergleitungsgenossenschaft. Sein Opa Johann Kracht gehörte zu den Mitbegründern.
Fotos: Frauke Reuter
Windmühlen und Wünschelruten inspirierten die Gründer
„100 Jahre Wasserleitungsgenossenschaft habe ich zum Anlass genommen, um einmal in den alten Protokollbüchern zu lesen und die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 100 Jahre aufzuschreiben“, betonte der Geschäftsführer Otto Daßau zur Jubiläumsfeier. In ihrem Resümee wurden der Vorsitzende Hartmut Brockmann und Otto Daßau von Markus Kracht unterstützt, dessen Opa Mitbegründer der Wasserleitungsgenossenschaft gewesen war.
Gemeinsam zogen sie auf der Jubiläumsfeier im Störkroog Willenscharen Gäste aus der Politik, vom Genossenschaftsverband, vom Wasser- und Umweltamt, vom Gesundheitsamt, vom Raiffeisenverband sowie Sarlhusener Mitglieder und ehemalige Mitglieder in ihren Bann.
Die 500-Seelen-Gemeinde Sarlhusen im Kreis Steinburg gehört zu den wenigen Wassergenossenschaften, die heute noch eine eigene Ortsversorgung haben. Und dabei hatte sie von 1910 bis dato auch schwierige Hindernisse zu bewältigen. „Jeder Bauer hatte damals einen Zieh- oder Drehbrunnen“, betonte Markus Kracht. Sein Opa Johann (1861-1948) war in vielen technischen Angelegenheiten ein Vordenker. Weil Johann Kracht Anfang 1900 hörte, dass die Holländer sehr gut in der Wasserwirtschaft waren, reiste er dorthin, um sich deren Nutzung der Windmühlen dafür vor Ort anzusehen.
Johann Kracht war aber ebenso ein begnadeter Wünschelrutengänger, der Grundwasser anhand einer Astgabel oder einer y-förmigen Metallrute ausfindig machen konnte. So kam er auf die Idee, mithilfe einer Windmühle, die er aus Bremen kaufte, zunächst seine Weiden mit Wasser zu berieseln. Diese Maßnahme bescherte ihm nicht nur eine bessere Ernte, sondern ebenso die Aufmerksamkeit der Dorfbewohner.
Als dann in den kommenden Jahren eine Schleuse an der Stör gebaut wurde, wurde die Pumpe zur Bewässerung der Wiesen überflüssig. Der findige Sarlhusener wollte dann die Windmühle für die Wasserpumpe im Kuhstall nutzen. Dafür musste die Windmühle zur Hälfte auf das Kuhstalldach aufgesetzt werden. Hier diente sie nun auch nicht mehr nur zur Eigenversorgung, sondern belieferte ebenso die nächsten Nachbarn.
Um 1908 kam dann der Gedanke auf, die Wasserversorgung größer und damit für das ganze Dorf auszubauen. „Die einzige Energie, die es damals gab, war Wind“, betonte Markus Kracht. Dass diese Eigenständigkeit bis heute erhalten geblieben ist, ist in der Hauptsache Hans Harders, Wilhelm Gravert, Gerd Hagelstein, Hans Peter Jürgens und Detlef Ehlers zu verdanken. Denn: Als die EU 1998 den Beschluss fasste, dass der Nitratgehalt höchstens 50 mg/l betragen darf, Sarlhusen aber mit 55 knapp darüber lag und die Frage aufkam, ob man sich dem Wassernetz in Brokstedt anschließen solle, zeigten sich diese fünf Herren führend beim Ausbau der Sarlhusener Eigenständigkeit. Seit zwölf Jahren wird das Wasser rund 2 km außerhalb von Sarlhusen gefördert – mit besten Werten: 0,01 mg/l Eisen, 0,01 mg/l Mangan, 3,5 mg/l Nitrat und einer Wasserhärte von 1 bis 2.
Diese Idee der Selbsthilfe und Solidarität, so hob es Diplom-Ingenieur Günter Strauß vom Genossenschaftsverband hervor, sei heute noch genauso aktuell wie von 100 Jahren. Lob und Anerkennung gab es ebenso von den Sarlhusener Bürgermeistern Ernst Scheel und Uwe Schröder, vom Landrat Dr. Heinz Seppmann, vom Amtsvorsteher Clemens Preine sowie von Wolfgang Möbius und Horst Schack vom Wasserbeschaffungsverband „Mittleres Störgebiet“ mit Sitz in Brokstedt darüber hinaus auch für das Engagement des 80-jährigen Geschäftsführers Otto Daßau, der seit fast 50 Jahren zum Wohle der Genossenschaft tätig ist.
Von 33 Mitgliedern am 1. Februar 1910 ist die Genossenschaft inzwischen auf rund 140 Mitglieder gewachsen. Und noch heute sind die Sarlhusener zu Recht stolz auf ihre Eigenständigkeit, auf die jährliche Fördermenge von 45.000 m3 Wasser und auf ihre sehr gute Wasserqualität. Ein Windpfeil auf einem ausgedienten Strommast an der Kirschenallee (Mühlenberg), wo 1910 nach Wasser gebohrt wurde, symbolisiert noch immer die Wassergenossenschaft Sarlhusen.
Frauke Reuter
Geschichte der Wasserleitungsgenossenschaft von 1910 bis 2010
Silvester fiel die Pumpe aus Am 15. Januar 1910 kamen in der Gaststätte zur Doppeleiche 18 Sarlhusener Bürger zusammen, um die Wasserleitungsgenossenschaft zu gründen. In den Vorstand wurden mit jeweils 17 Stimmen Hans Rohwer (Vorsitzender), Claus Delfs (stellv. Vorsitzender) und Hinrich Rohwer (Geschäftsführer) gewählt. In den Aufsichtsrat wurden, ebenfalls mit je 17 Stimmen, Wilhelm Rabe (Vorsitzender), Julius Boldt und Johann Kracht ernannt.
Auf dem Grundstück von Hinrich Jungjohann wurde am Mühlenberg ein Brunnen von 11 m Tiefe und 2,50 m Durchmesser mit einer Bohrung von 25 m erstellt. Die Kolbenpumpe wurde durch ein Windrad auf 12 m Höhe angetrieben. Die Mitglieder haben bei den Erdarbeiten für die Rohverlegung selbst mit angepackt: Sie erhielten pro Meter Graben mit 1,20 m Tiefe den Lohn von 0,48 Mark.
Die erste Windmühle war bis 1923 in Betrieb. Von da an bis 1938 wurde die Wasserversorgung gänzlich auf Strom umgestellt. „1919 hat das Dorf Sarlhusen den ersten elektrischen Strom erhalten“, berichtete Markus Kracht und betonte, dass es fast zehn Jahre gedauert hat, bis das ganze Dorf Strom hatte.
Als die Zeit der Stromsperren kam, wurde 1938 die Pumpenfunktion auf eine Kombination von Strom und Windenergie umgestellt. Die neue Windmühle, 18 m hoch und mit einem Windraddurchmesser von rund 5,50 m, fiel 1962 einem Sturmschaden zum Opfer. Seitdem erfolgt die Wasserversorgung nur mit Strom.
1978 gab es noch ein gewaltiges Problem zu lösen: Die neu angeschaffte Tiefenpumpe funktionierte nur 30 Tage. Das Fatale: Das Malheur passierte genau zu Silvester und dauerte bis zum 5. Januar, weil aufgrund der Schneekatastrophe keine Ersatz- und Neuteile nach Sarlhusen gelangen konnten. Deshalb nahm Wilhelm Gravert seinen Kollegen Otto Daßau mit auf den Trecker, und zusammen fuhren sie an Silvester nach Groß Vollstedt hinter Nortorf, um einen Stutzen zu besorgen. Dieser wurde dann bei Jacobs in die Hauptleitung eingebohrt. „Keiner konnte uns sagen, ob unser Vorhaben funktionieren wird“, erinnert sich Otto Daßau. Es gelang. Bei 12 ˚C Frosttemperatur wurde morgens und abends mithilfe der Freiwilligen Feuerwehr jeweils drei Stunden lang Wasser in das Wasserbassin am 2 km entfernten Mühlenberg gepumpt. „Das war mein Silvester 1978“, schmunzelt Daßau noch heute.
Die nächste Hürde musste im Jahr 1998 genommen werden: Aufgrund eines EU-Beschlusses, die Nitratgrenze im Wasser herabzusetzen, musste eine neue Quelle gesucht werden. Nach acht Probebohrungen in und um Sarlhusen fand sich schließlich die neue geeignete Stelle nahe der Papiermühle in einem rund 180 ha großem Waldgebiet. Die neue Anlage mit einer Rohrleitung von 2 km bis zur Anbindung an das Ortsnetz kostete damals 200.000 DM. Sie besteht noch heute – und sie weist immer noch hervorragende Wasserwerte auf.
Frauke Reuter





