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24.04.2009 -
Leuchtturm-Projekt „Holsteiner Lebensraumkorridore“ im Kreis Segeberg
Auch Meister Lampe profitiert von der neuen Grünbrücke. Projektkoordinator Dr. Björn Schulz zeigt mit der Dezernatsleiterin der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, Anne Benett-Sturies, einen präparierten Hasen. Fotos: Karsten Paulsen
Wildschweine, Rehe, Hirsche und Hasen queren mehr oder weniger zügig die neue Grünbrücke über die A21 bei Negernbötel im Kreis Segeberg. Auf einem kleinen Monitor können Besucher des Erlebniswaldes Trappenkamp künftig das Leben auf der Brücke hautnah beobachten. Die Landrätin des Kreises Segeberg, Jutta Hartwieg, und der Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Dr. Walter Hemmerling, enthüllten die Infotafel im Waldhaus. Das neue Leuchtturm-Projekt „Holsteiner Lebensraumkorridore für Haselmaus, Hirsch & Co.“ wurde von der Stiftung Naturschutz, dem Deutschen Jagdschutzverband (DJV), den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten und dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr der Öffentlichkeit und über 40 Regionalpartnern vorgestellt. An dem Workshop waren zahlreiche Akteure vom Wildpark über die Landfrauen, Jäger und Bürgermeister bis hin zur Universität Kiel beteiligt. Die wissenschaftliche Begleitung obliegt der Arbeitsgruppe von Dr. Heinrich Reck vom Ökologie-Zentrum der Universität Kiel.Mit diesem Naturschutzprojekt wollen die Projektpartner gemeinsam mit regionalen Akteuren Freiräume für Tiere und Pflanzen schaffen und vernetzen. Das Bundesamt für Naturschutz fördert die Vorstudie des Projekts. „Das Vorhaben im Kreis Segeberg ist ein bedeutendes Leuchtturm-Projekt zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt der Bundesregierung“, betonte Dr. Hemmerling. „Denn für Hirsch, Haselmaus & Co. wird es zusehends eng: Siedlungen und Verkehrswege verschlingen täglich immer mehr Naturflächen. Innerhalb eines Jahres wollen wir mit der Vorstudie zu einem Hilfsprogramm kommen, das dann ab 2010 angepackt werden kann.” „Die Region zwischen Bad Segeberg und Bad Bramstedt ist von zentraler Bedeutung. Nur hier können die wertvollen Naturräume und Artvorkommen Schleswig-Holsteins über die großen Verkehrsachsen hinweg wieder miteinander verbunden werden – mit Hilfe von Lebensraumkorridoren“, erläuterte Projektkoordinator Dr. Björn Schulz von der Stiftung Naturschutz. Im besonderen Blickpunkt steht dabei die neue Grünbrücke bei Negernbötel. „Die Querungshilfe gibt den wildlebenden Tieren und Pflanzen schon jetzt wieder mehr Bewegungsfreiheit. Aber: Grünbrücken helfen wenig, wenn sie isoliert liegen. Es braucht großräumige Lebensraumkorridore – und vielfältige. Sie reichen vom dichten Knicknetz für die Haselmaus bis zum unverbauten Bach für den Fischotter. Und was bedeuten Lebensraumkorridore für die Menschen? Ideale Erholungsmöglichkeiten vor der Haustür!“ – „Die Drehscheibe für die landesweite Vernetzung von Lebensräumen liegt hier im Kreis Segeberg”, betont Marita Böttcher vom Bundesamt für Naturschutz. „Ob die Verbindungen von Freiräumen von heimischen Arten angenommen werden, liegt vor allem an ihrer Qualität.” Das Bundesamt hat gemeinsam mit dem DJV bereits 2004 eine bundesweite Karte „Lebensraumkorridore für Mensch und Natur” erarbeitet. „Mit den Holsteiner Lebensraumkorridoren gehen wir erstmalig in die praktische Umsetzung und Erprobung dieses Konzepts”, freut sich Dr. Klaus-Hinnerk Baasch, Mitglied des DJV-Präsidiums und Präsident des Landsjagdverbandes Schleswig-Holstein. „Die Jägerschaft hat Anzeichen für Inzucht beim Schleswig-Holsteinischen Rotwild festgestellt. Eine mögliche Ursache hierfür ist die Verinselung der Lebensräume.” Wanderwege“ wie die Grünbrücke über die A21 bei Kiebitzholm sollen großen wie kleinen Tieren ermöglichen, wieder größere Entfernungen zu überwinden. Das ist entscheidend für den genetischen Austausch innerhalb einer Art und wichtig für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die gestiegene Zahl von Wildunfällen sei ein weiteres untrügerisches Zeichen dieser Verinselung, ergänzte Baasch. So kamen 2007/2008 über 14.000 Rehe in Schleswig-Holstein unter die Räder. „Schon bei der Planung der A21 war der Bau der Grünbrücke für uns nur ein Teilaspekt”, berichtete Heike Nadolny vom Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr. „Flankierend haben wir bereits Amphibiengewässer angelegt, Flächen aufgeforstet und Knicks gepflanzt.” Weitere Grünbrücken seien beim Bau der A20 bei Todesfelde und beim sechsspurigen Ausbau der A7 bei Brokenlande/Großenaspe (beide im Kreis Segeberg) geplant. Die neue Grünbrücke über die A20 bei Strukdorf, Kreis Segeberg, werde im Sommer dieses Jahres freigegeben. Dass im Projekt auch eine Chance für die Menschen der Region besteht, Natur erlebbarer zu machen, ist sich Anne Benett-Sturies, Dezernatsleiterin in der Anstalt Schleswig-Holsteinische Landesforsten, sicher: „Unsere Wälder sind seit jeher Lebensraum für heimische Tiere und Pflanzen, genauso wichtig ist aber ihre Funktion als Erholungs- und Wirtschaftsraum für uns Menschen.” „Die Osterauniederung, das kreiseigene Hasenmoor, das Kiebitzholmer Moor, das Tensfelder Moor und die renaturierten Damsdorfer Kiesgruben sind bedeutsame ökologische Trittsteine zum Aufbau eines Lebensraumkorridors im Kreisgebiet”, nannte die neue Landrätin des Kreises Segeberg, Jutta Hartwieg, einige Beispiele. Außerdem seien viele Biotope vor allem durch die Partnerschaft mit den Jägern und durch die Finanzierung aus der Jagdsteuer geschaffen worden. Projektkoordinator Dr. Schulz blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Ab 2010 können unsere gemeinsamen Ideen umgesetzt und die Lebensraumkorridore für Mensch und Tier mit Leben erfüllt werden.“ Infos unter: www.lebensraumkorridore.deKarsten Paulsen





