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06.06.2008 -
Historischer Kutter „Fahrewohl“ ist die neue Attraktion
Im Museumshafen schlägt Büsums Herz
„Das hat mich nie losgelassen“, sagt Dr. Martin Kreitz. 40 Jahre lang war der heute 71-Jährige Chirurg am Heider Krankenhaus. Um sein Medizinstudium zu finanzieren, arbeitete er nach dem Abitur für anderthalb Jahre auf einem Hochseekutter.50 Meilen fuhren sie manchmal aufs Meer hinaus, waren 14 Tage auf See. „Wir haben Thunfisch, Scholle und Steinbutt gefischt“, erzählt der vitale Rentner. Seinen Arztkittel hat er gegen einen roten Overall getauscht. Wie der Hafenmeister persönlich sitzt er jetzt im alten Molenfeuer und freut sich, dass er mitten drin ist im Büsumer Leben. Denn hier am Museumshafen schlägt das Herz des Nordseebades.
„Der Hafen war früher zum Meer hin offen“, erzählt Martin Kreitz, der Vorsitzende des Museumshafens. Die Kutter wurden an vier Meter hohen Dalben festgemacht, damit sie bei einer Sturmflut nicht an Land gedrückt wurden. Solche Sturmflut-Dalben stehen jetzt wieder am alten Hafen, versehen mit speziellen Lampen, die ein gelbliches Licht erzeugen. „Das passt zum Ambiente“, meint Martin Kreitz und erklärt, dass am Fuß der Dalben die Strom- und Wasseranschlüsse für die anlegenden Schiffe installiert sind. „Oldtimer, die bei uns anlegen, müssen die ersten sieben Tage keine Gebühren bezahlen. Das gibt es sonst nirgendwo“, betont der Vorsitzende des einzigen Museumshafens an der Westküste.
Gegründet wurde er im Sommer 2001 von einigen beherzten Büsumern, inzwischen zählt der Verein mehr als 500 Mitglieder. Darunter auch viele Urlauber. Ihr ganzer Stolz sind die beiden eigenen Oldtimer: Der Gaffelkutter „Margaretha“ und das Motorrettungsboot „Rickmer Bock“. Der Kutter wurde 1911 auf der Wewelsflether Behrens-Werft gebaut, hatte mehrere Besitzer. Er ist aus Eichenholz, hat eine Segelfläche von 120 Quadratmetern, ist 12,82 Meter lang. Der Verein kaufte ihn in Lübeck, und handwerklich geschickte Mitglieder restaurierten ihn mit Unterstützung der Bootswerft Landberg. Viele tausend Arbeitsstunden und viel Geld stecken in der „Margaretha“, die heute das Prunkstück von Büsum ist. Zwar hat das Schiff keine historische Verbindung nach Büsum, doch genau mit diesem Typ von Gaffelkutter fuhren früher die Büsumer Fischer auf Krabbenfang. Stärker mit Büsum verbunden ist das Rettungsboot „Rickmer Bock“. Das 1944 von der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Dienst gestellte Boot war 20 Jahre in Büsum stationiert und hat so manchen Fischer aus Seenot gerettet.
Auch der Finkenwerder Kutter „Fahrewohl“, die neue Errungenschaft des Vereins, war einst ein Büsumer Schiff. Die Büsumerin Christiane Danker erwarb den Fischkutter für den Museumshafen. „Gebaut wurde er 1911 im Auftrag eines Büsumer Fischers auf der Junge-Werft in Wewelsfleth, gefischt wurde mit ihm unter Segeln“, erzählt Martin Kreitz mit funkelnden Augen. Es geht dem Vorsitzenden aber nicht nur darum, dass alte Schiffe im Hafen liegen, er möchte das Ganze mit Leben erfüllen und bei möglichst vielen Menschen Interesse für die Büsumer Fischerei-Historie wecken. Es werden ein Shanty-Festival und Hafenkonzerte geboten sowie eine Regatta für Oldtimer ausgerichtet.
Und wenn das Hochwasser mitspielt sind die Schiffe des Museumshafens zur Besichtigung frei. Als Infopunkt für Gäste dient das Alte Molenfeuer am Ankerplatz. Es ist jeden Sonnabend und Sonntag zwischen 14 und 16 Uhr geöffnet. Hier sitzt auch Martin Kreitz gerne, blickt auf den Hafen und erzählt – „Das Molenfeuer war 45 Jahre als Seezeichen im Dienst. Es wies den Fischern den Weg in die Schleuse.“
Dieter Brumm





