Schleswig-Holstein

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Familie/Freizeit/Land und Leute

24.07.2007 -  

Carstensen im Landschaftsmuseum Angeln

Das, was er zu sehen bekam, gefiel dem Ministerpräsidenten außerordentlich gut. Auf einer „Kultur-Tour“ im Kreis Schleswig-Flensburg unterwegs, machte Peter Harry Carstensen auch Station im Landschaftsmuseum Angeln, gelegen im Ortsteil Unewatt der Gemeinde Langballig. Nach der Begrüßung durch Dr. Mathias Schartl von der Kreiskulturstifung folgte ein Rundgang unter Führung von Museumsleiter Jochen Clausen. Dabei trat die Unewatter Besonderheit deutlich zutage.

Beim ländlichen Strukturwandel nach dem zweiten Weltkrieg war das Dorf etwas ins Abseits geraten und hatte nur wenig von seinem ursprünglichen Gebäudebestand verloren. Dieser vermeintliche Nachteil erwies sich später bei der Museumskonzeption als großer Vorteil, besteht doch die Unewatter Einmaligkeit darin, dass ein lebendiges Dorf mit seinen Bewohnern eine Symbiose eingegangen ist mit einem Museum.

Dieses ist im Regelfall unbewohnt. Planung und Umsetzung orientierten sich an den örtlichen Gegebenheiten. So entstanden fünf Museumsinseln im Dorf an den Stellen, an denen sie früher tatsächlich als Funktionsgebäude errichtet worden waren. Die einzige Ausnahme bildet der Marxenhof. Das alte kombinierte Wohn- und Stallgebäude aus dem Jahre 1626 musste in Süderbrarup einem Neubau weichen. Es war aber nicht abgerissen, sondern abgetragen worden.

In Unewatt wurde es dann als Kern des Landschaftsmuseums neu errichtet. Mit der unmittelbar daneben nachgebauten Wandständerscheune konnte die Hofanlage vervollständigt werden. Zeitgleich mit dem Aufbau des Museums liefen viele private Gebäudesanierungen, und die Wiesen des Langballigautals wurden unter Naturschutz gestellt.

In der für Ausstellungszwecke hergerichteten Christesen-Scheune fachsimpelte der Ministerpräsident kurz mit seiner Begleitung über die alten Landmaschinen. Einige von ihnen hatte er als Kind noch selbst im Einsatz gesehen. Die Angler Sattelschweine vor der Scheune zeigten dann wenig Interesse an dem hohen Besuch.

Wirklich glänzende Augen bekam Carstensen in der mit Wasserkraft angetriebenen Buttermühle und schwärmte geradezu von Naturbutter, die im traditionellen Verfahren aus Rohprodukten hergestellt wird. Nach einem kurzen Besuch im Atelier des Malers Uwe Appold endete der Rundgang mit einem zu Ort und Anlass passenden Schnüsch-Essen. Auch das von einem Pächter betriebene Gasthaus ist Teil der sanierten historischen Bausubstanz von Unewatt.

Abschließend bezeichnete Carstensen das Landschaftsmuseum Angeln und sein Konzept als beispielhaftes Projekt für die Region. Eine Viertelmillion Besucher in 15 Jahren sei kein Grund zum Tiefstapeln. Schließlich erfasse diese Zahl nur die an der Kasse registrierten Besucher, nicht aber die vielen anderen, die auch Unewatt durchwanderten. Der Ministerpräsident würdigte in diesem Zusammenhang das ehrenamtliche Engagement des Fördervereins.

In Unewatt werde professionell gearbeitet. Die vielen kleinen Privatsammlungen im Lande hätten oftmals leider nur wenig Chancen auf Erhaltung. Wichtig sei aber, dass sich die Menschen mit ihren Kulturgütern identifizieren, dass sie überhaupt wissen, welche kulturellen Werte sie vor Ort haben und dass sie dieses Wissen weitergeben.
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