Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

06.08.2010 -  

Der Mix macht’s

 Was gab es vor knapp einem halben Jahr für einen Wirbel in der Branche, als die Kürzungspläne zur Solarförderung verkündet wurden! Nachdem vor allem das Hin und Her bei den Kürzungen der Prozentsätze und den Änderungen der Termine, ab wann die Absenkung gelten sollte, für eine immense Verunsicherung sorgte, haben sich die Wogen inzwischen wieder etwas geglättet. Seit Anfang Juli ist das Gesetz zur Änderung des EEG für die Förderung der Photovoltaik sowohl vom Bundestag als auch vom Bundesrat angenommen. Darin ist nun beschlossen, dass die Kürzung in zwei Etappen vonstattengeht. In der ersten Phase erfolgt eine einmalige Absenkung der Vergütung rückwirkend zum 1. Juli 2010 für Gebäudeanlagen um 13 %, für Freiflächenanlagen auf nicht landwirtschaftlichen Flächen um 12 %  und für Anlagen auf versiegelten Flächen wie Müllhalden und Truppenübungsplätzen um 8 %. Die zweite Phase beinhaltet dann die Absenkung der Vergütung für Strom aus Anlagen, die nach dem 30. September 2010 in Betrieb gegangen sind, um zusätzlich 3 %. Ackerflächen sind nunmehr ganz von der EEG-Förderung ausgenommen. Das  muss jetzt nur noch im Bundesgesetzblatt verkündet werden.

Trotz dieses Hickhacks vermeldet die Solarbranche positive Signale. Viele Firmen profitierten von der  weiter zunehmenden Nachfrage, da die Anlagenbetreiber versuchten, die Photovoltaikmodule noch vor dem 1. Juli auf ihre Dächer zu bekommen, um der Kürzung komplett zu entgehen. Die Bundesnetzagentur rechnet mit mehr als 3 GW Neuinstallationen in der ersten Jahreshälfte in Deutschland. Somit ist die Branche nicht – wie Unkenrufe befürchten ließen – durch die Ankündigung der Förderungssenkung zusammengebrochen. Die Landwirte haben die Photovoltaik weiterhin als eine Einkommensquelle, die auf den Dächern keinen zusätzlichen Platz beansprucht und kaum Risiken birgt, auf der Liste.

Die Debatte über das Biogas wird ebenso kontrovers geführt. Zum einen entrüsten sich die Landwirte  zum Teil zu Recht über die Pachtpreise für Maisflächen, die in manchen Gegenden in immense Höhen getrieben werden, zum anderen ist auch der Flächenverbrauch, der für die eigentliche Anlage gebraucht wird, nicht zu vernachlässigen. Sogar Ministerpräsident Peter Harry Carstensen äußerte jüngst in der Segeberger Zeitung seine Bedenken zum Maisland Schleswig-Holstein. Einem ungebremsten Ausbau der Biogasanlagen müsse sowohl aus moralischen wie auch aus strukturpolitischen Gründen Einhalt geboten werden, betonte er. Einige Betriebe versuchen schon die Vergärung von Alternativen zu Mais. Eine Möglichkeit ist die Verarbeitung von Gras, wie auf Seite 35 zu lesen. Ein weiterer Weg, den vor allem Milchviehhochleistungsbetriebe gehen können, ist die Vergärung der Gülle. Dies schlug auch Gerd Sonnleitner, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, unlängst vor. Die Energiepflanzen sollten erst verfüttert und der Mist danach zur Biogasgewinnung verwendet werden. Dass dies funktioniert, beweist  der Betrieb von Heiko Wendell-Andresen, der in einer Sonderveröffentlichung ab Seite 15 vorgestellt wird.  Eine weitere Maßnahme, um gegen Maismonokulturen anzugehen, sieht der DBV  in der Auflockerung der Fruchtfolge durch Sudangras oder andere Energiepflanzen mit gutem Gasertrag.

Um die Windbranche ist es eher ruhiger bestellt, meint man. Spannend sind hier vor allem das große Offshoreprojekt, über das wir in dieser Ausgabe berichten, aber auch die Bürgerwindparks, die sich nach wie vor einer großen Nachfrage erfreuen. Dabei gibt es immer wieder Diskussionen über Großinvestoren und reine Bürgerwindparks, die beide nicht unbedingt der einfachste Lösungsweg sind. Einige Firmen bieten inzwischen eine Mischung aus Bürgerwindpark und Investorenwindkraftanlagen an und finden auf diese Weise häufig Lösungen, die jeden in der Gemeinde und im Umkreis zufriedenstellen. Dabei ist immer wieder zu bemerken, dass es – wie in den beiden anderen Bereichen  – nicht die Lösung gibt, die man über alles drüberstülpen kann, sondern dass immer mit allen Beteiligten ein individuelles Ergebnis gefunden werden muss. Damit Sie sich über die Entwicklungen in der Branche informieren können, bieten wir Ihnen in dieser Ausgabe auf 17 Sonderseiten einen „Rundumschlag“ zum Thema Erneuerbare Energien. Auch der zeigt: Auf den regional passenden Mix kommt es an. Ann-Katrin Gerwers
transparent  


[Gesamtansicht] · [drucken] · [top]