Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

15.05.2010 -  

Elek-Trecker

Seit etwa 1950 fährt Oma Duck mit einem Elektromobil durch die bunte Comicwelt. Das Mobil der alten Dame soll von Autos der Firma „Detroit Electric“ inspiriert sein. Dieses Unternehmen aus dem automobilen Zentrum der Vereinigten Staaten stellte von 1906 bis 1939 Elektroautos und -lastwagen her, deren Reichweite schon damals bis zu 340 km betrug. Gut 30 Jahre dauerte diese „E-Poche“. Neben Detroit Electric gab es in den USA mindestens drei weitere Unternehmen, die Elektromobile herstellten. Der Siegeszug der Ottomotoren machte schließlich die Produktion unwirtschaftlich. Detroit Electric ging bankrott und wurde 1941 aufgelöst. Seither war in Amerika Hubraum nur durch eines zu ersetzen: noch mehr Hubraum. Jüngst wurde der Markenname Detroit Electric verkauft – an einen chinesischen Autohersteller. Ein Zeitzeichen?

Zumindest sind wir wieder an einem Scheidepunkt angelangt. Die „Ö-Poche“ der ölbefeuerten Fahrzeuge scheint sich dem Ende zu nähern. Die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko gießt kräftig Erdöl in dieses Feuer. Doch eine Energiewende zeichnete sich aus verschiedenen Gründen schon seit Längerem ab. Deutschland nimmt eine Vorreiterrolle ein, was die Erzeugung von erneuerbarem Strom betrifft. Bei der Umsetzung in Mobilität allerdings vergeuden wir wichtige Energie, diesmal im politischen Sinn verstanden. Merkels nationale Plattform für Elektromobilität wird als reine Showveranstaltung abgetan, weil sie sich gegenüber den Förderwünschen der Industrie zugeknöpft zeigt. Diese Beurteilung ist sicherlich falsch. Dennoch: Während Deutschland noch diskutiert, werden woanders längst Fakten geschaffen. Wenn wir nicht aufpassen, läuft uns Ostasien den Rang ab.

Das Nadelöhr der E-Mobilität ist die Speicherkapazität für Strom. Daher wird sie zumindest die ersten Jahre eher im engen Radius der Städte zu Hause sein – und vielleicht auf arrondierten landwirtschaftlichen Betrieben? Die Frage, die sich dem Landwirt stellt, ist doch: Wann kommt der erste Hybrid- oder gar E-Traktor auf den Markt? Auch wenn wir nicht in die Forschungszentren der Unternehmen blicken können, gibt es Anzeichen. So ist die „Elektrifizierung mobiler landwirtschaftlicher Arbeitsmaschinen“ bereits ein Projekt, das John Deere als Partner unterstützt – ausgerechnet im Allgäu.  Bei der Eingabe von „Elektro-Fendt“ im Internet taucht dagegen nur ein Elektriker und kein „Elek-Trecker“ aus Bayern auf.

Aber warum sollte nicht gerade in der Landwirtschaft die Elektromobilität erfolgreich Einzug halten? Die erneuerbare Stromerzeugung ist auf landwirtschaftlichen Dächern zuhause. Heute geht es vorrangig um die Einspeisung in das Stromnetz. Doch beschreitet das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit der Förderung des Eigenverbrauchs einen neuen Weg. Seit 2009 gilt dies für die Photovoltaik-Dachanlagen bis 30 kWp. Diese EEG-Wende wird sich  mit der 2010er Novelle verstärken. Dann steigt die maximal zulässige Anlagengröße voraussichtlich auf 500 kWp. Allerdings müssen 30 % der Energie selbst verbraucht werden. Die Landwirte haben es bisher immer geschafft, das EEG zu einem einzelbetrieblichen Erfolg umzumünzen. Das wird auch für den Eigenverbrauch gelten. Denn das Potenzial dazu ist auf den Betrieben vorhanden, sei es im Wohnhaus, in den Stallungen oder auch auf dem Acker. Diese Novelle fördert den E-Schlepper. Wie weit sind die Hersteller?

Mit weiter fallenden Modulpreisen – nach Erfahrungswerten 10 % pro Jahr – ist Solarstrom in näherer Zukunft ohne Förderung konkurrenzfähig. Dann kann der E-Trac gerade unter dem Nachhaltigkeitsgedanken den Umweltvorteil der Landwirtschaft weiter ausbauen. Allein aus diesem Grund sollte die Idee verfolgt werden: erneuerbare Antriebsenergie, um erneuerbare Produkte zu erzeugen. Das ist zweifacher Klimaschutz vom Acker. Die mobile Nutzung der elektrischen Energie wird auch im Agrarsektor Einzug halten. Bisher gibt es den E-Traktor bei namhaften Herstellern lediglich für Kinder. Doch die Zeiten, dass solche Ideen als Kinderkram abgetan werden oder als Comicvorlage herhalten müssen, sind e(h) vorbei. Sönke Hauschild
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