Schleswig-Holstein

Zum Buch Nord-Ostsee-Kanal: Begegnungen

Kommentar

03.02.2012 -  

Schmallenberg

Liebe Leser, Schmallenberg, das 25.000 Einwohner zählende,  beschauliche Städtchen im Hochsauerland, ist zu ungewollter Berühmtheit gelangt. Bislang eher bekannt als Strumpfstadt wegen der dort seit dem Mittelalter angesiedelten Textilindustrie und für ihre wald- wie bergreiche Lage, gilt sie heute – man möge es verzeihen – als Synonym für eine tückische Viruserkrankung.  Das Virus wurde dort im vergangenen Oktober und  damit erstmalig in unseren Breiten nachgewiesen, genauer an drei Rindern auf einem nahe Schmallenberg gelegenen Hof.  Bislang war die Erregergruppe, zu der das Schmallenberg-Virus gehört, nur in Afrika, Asien und Australien bekannt. Jetzt verbreitet es sich über Deutschland und die Nachbarländer. Die  Infektionen und ihre Folgen ergeben ein bedrückendes Bild. Lesen Sie dazu  unseren Brennpunkt auf den Seiten 6/7. Überträger sind bestimmte Mückenarten, die im Herbst das Virus mit ihrem  Saugrüssel in Rinder-, Schaf- und Ziegenleiber gestochen haben. Die Infektionen trächtiger Tiere führen zu Missbildungen und Totgeburten. Das zeigt sich in der gegenwärtigen Ablammsaison auf erschreckende Weise, wie die  unaufhaltsam steigende Zahl der befallenen Herden deutlich macht. Eine ähnliche Entwicklung muss man bei den Abkalbungen der Kühe befürchten, denn diese steht aufgrund der längeren Tragezeit  noch bevor. Für die betroffenen Tiere und ihre Halter ist das ein Elend ohnegleichen. Vor allem auch deshalb: Man kann nichts tun. Die Mücken haben sich verkrochen, den Muttertieren sieht man nichts an, einen Impfstoff gibt es  nicht. Der Druck, zu handeln, wächst.  Gut, dass Politik und Behörden, Tierärzte und Wissenschaftler, Landwirte und Verbände besonnen bleiben, auch bestimmte Medien. Es gilt   abzuwarten. Mit Hochdruck wird daran gearbeitet, den Erreger, seine Herkunft und Verwandtschaft zu identifizieren und zu analysieren. Schnellstens will man einen Impfstoff entwickeln. Das Friedrich-Loeffler-Institut hat  seine  bisherigen Erkenntnisse sowie das Virusisolat an Fachinstitute und die Pharmaindustrie gegeben. Ein Novum. Hoffnungsvoll stimmt, dass Virologen der Freien Universität Berlin schon im April  in die Testphase eines neuen Präparats  gehen wollen. Ob’s funktioniert, wird sich zeigen. Klar ist  auch: Bis ein Impfstoff marktreif ist, dauert es länger als anderthalb Jahre. Bis dahin müssen sich die Halter von Wiederkäuern während der Mückensaison mit der normalen Insektenabwehr behelfen.
Für die  Tierhalter bedeutet die Virusinfektion in ihren Herden einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden. Deutschland und die Niederlande haben die EU-Kommission aufgerufen, für die Krankheit eine EU-weite Meldepflicht einzuführen.  Diese ist Voraussetzung dafür, dass die Länder den Bauern Beihilfen für Schäden, die durch die Krankheit entstehen, gewähren können, sagt das Bundesagrarministerium. Auch Forderungen nach einer Anzeigepflicht werden laut, was den Tierseuchenfonds ins Obligo nähme. Dagegen  argumentiert man in Berlin, dass dies nur in Betracht käme, wenn  behördliche Maßnahmen zum Schutz von Tieren und Menschen angeordnet werden können, beispielsweise Betriebssperrungen wegen der Schweinepest, oder wenn es Möglichkeiten der Krankheitsbekämpfung gibt. Beim „Schmallenberg“ trifft  beides nicht zu. 
Unstrittig ist: Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um den betroffenen Landwirten finanziell zu helfen. Der emotionale Schaden für die Bauern ist angesichts des von einer Mücke verursachten Tierleids schon groß genug.
Herzlichst Ihr Ralph Judisch

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27.01.2012 -  

Krasse Widersprüche

Liebe Leser, seit Jahrzehnten wird die Grüne Woche, die diesen Sonntag  ihre Pforten schließt, wegen ihres unermesslichen Angebots an Köstlichkeiten und Spezialitäten aus aller Herren Länder weithin geschätzt. Weniger fällt dem geneigten Besucher in dem ganzen Trubel auf, dass es mehr oder weniger am Rande um das harte Thema Welternährung geht – mittlerweile traditionell am ersten Messesonnabend. Nur ...  mehr »


20.01.2012 -  

Leuchtfeuer

Liebe Leser, gute Nachbarschaft zeichnet sich dadurch aus, dass man offen miteinander redet und einander zuhört. Dabei sind  selbst sehr enge Nachbarn durchaus mal unterschiedlicher Meinung. Was am Ende zählt, sind die Gemeinsamkeiten. Diese „Lebensweisheiten“ wurden vorigen Freitag in Tondern  deutlich. Dort fand eine grenzüberschreitende Konferenz zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik statt (Seiten 6 bis 8). ...  mehr »


16.01.2012 -  

Keim-Stimmung

Liebe Leser, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat auf zehn von 20 Geflügelfleischproben in Supermärkten Keime gefunden. Sensationell? Mitnichten! Es ist hinlänglich bekannt, dass sich auf Lebensmitteln naturgemäß Keime ansiedeln. Und es ist auch ein ziemlich alter – obgleich problematischer – Hut, dass sich   spezielle, sprich   mutierte Keime bilden können, ...  mehr »


06.01.2012 -  

Allzeit bereit?

Liebe Leser, die Feiertage sind vorbei, und wir hoffen, Sie haben sich gut erholt.  Endlich einmal ausspannen und in den besinnlichen Tagen zu sich kommen – das waren, nebst Gesundheit, die häufigsten Wünsche, die die Bauernblattredaktion auf Grußkarten bekommen hatte.
Als „Oase der Ruhe in der Hektik des Alltags“  wurde diesen Sommer  auf der Landesgartenschau in Norderstedt fast jedes zweite oder dritte ...  mehr »


22.12.2011 -  

Lichtfest

Liebe Leser! Das Jahr geht zu Ende, und es ist die Zeit für Rückblicke gekommen, wie sie auch im Bauernverband, in der Landwirtschaftskammer, im Bauernblatt gehalten werden. Wahrscheinlich blickt auch der eine oder die andere für sich selbst und die Familie zurück. Was haben wir erreicht? Was haben wir erlebt? Was ist gut gelaufen, was schlecht, was könnte künftig besser gehen? Ein Rückblick ermöglicht einen umfassenderen ...  mehr »


16.12.2011 -  

Was bleibt von Durban?

Liebe Leser, der Klimagipfel in Durban ist nach sehr zähen Verhandlungen mit einem Kompromiss zu Ende gegangen. Noch nie hat eine solche Veranstaltung 14 Tage gedauert, und es wurde auch noch nie eineinhalb Tage lang  nach dem offiziellen Ende weiterverhandelt, während drum herum schon abgebaut wurde. Im Endeffekt haben die Delegierten aus 195 Staaten am Morgen des dritten Advents das sogenannte Durban-Paket gebilligt. Der wichtigste Beschluss ...  mehr »


09.12.2011 -  

Die Bauern auf Seite eins

Liebe Leser! Der Ortstermin an der Ostseeautobahnbaustelle bei Heiligenhafen war soeben zu Ende, ich stieg in mein Auto zur Rückfahrt, schaltete das Radio  an, und schon hörte ich auf NDR 1 Bauer Wulf Kruse zum Thema Flächenverbrauch sprechen. Der hatte eben noch neben mir auf der Parkplatzbaustelle gestanden.  Am Abend kamen Berichte im Schleswig-Holstein-Magazin und auf RTL. Am nächsten Morgen waren die Zeitungen voll davon: ...  mehr »


25.11.2011 -  

Fit for future

Liebe Leser, wenn Ungemach droht, ist es gut, sich frühzeitig dagegen zu wappnen. In der feuchtkalten Jahreszeit schützen Vitamine und Abhärtung gegen eine Erkältung. Um den betrieblichen Auswirkungen der EU-Agrarreform vorzubeugen, müssen ganz andere Geschütze aufgefahren werden. Daran, dass die Gemeinsame Agrarpolitik grüner wird, und auch daran, dass die Direktzahlungen weniger werden, dürfte es keinerlei ...  mehr »


18.11.2011 -  

Wenn ein Licht ausgeht

Liebe Leser, wahrscheinlich waren Sie auch dabei: Am vergangenen Sonntag, dem Volkstrauertag, wurde im ganzen Land der Kriegsopfer  gedacht. In vielen Dörfern und Städten versammelte man sich an den Ehrenmalen, legte bei Gesang oder Trompetenspiel Kränze nieder.   Besonders eindringlich wirkt gerade  bei dieser Gelegenheit die Mahnung zum Frieden. „Jeder, der geht, nimmt ein Licht mit, allmählich wird es ...  mehr »


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