Agrarpolitik
01.04.2011 -
Ausschuss für Getreide und andere Ackererzeugnisse tagte in Rendsburg
Bernd Irps (r.), Marktexperte der Landwirtschaftskammer, zeigte die Entwicklungen an den Märkten auf. Foto: Tonio Keller
Leitlinie für Vorkontrakte entwickeln
Am Montag vergangener Woche tagte in den neuen Räumen des Bauernverbandes Schleswig-Holstein Am Grünen Kamp in Rendsburg-Süd der Ausschuss für Getreide und andere Ackererzeugnisse unter Vorsitz von Heinrich Kröger aus Wulfsdorf. Nach einer Betrachtung der Situation auf den Feldern und den Märkten befasste sich der Ausschuss mit Handlungsempfehlungen für künftige Vertragsabschlüsse der diesjährigen Ernte.Die Ausschussmitglieder sind sich darin einig, dass aufgrund des langen und harten Winters und der nur zögernden Frühjahrsentwicklung die tatsächlichen Schäden erst in vier Wochen abschätzbar sind. Auswinterungsschäden seien aber zu befürchten und stünden an der Grenze zum Umbruch. Für die Ernte 2011 in Schleswig-Holstein wurde die Einschätzung geteilt, dass mit leicht rückläufigen Ergebnissen beim Getreide zu rechnen sei.
Bernd Irps, Marktexperte der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, berichtete über die Entwicklung auf den Märkten für Getreide und Ölsaaten. Die Preise auf den Getreidemärkten waren in den vergangenen Wochen schwer vorhersagbar. Generell sieht der Experte parallele Entwicklungen zu 2007/2008 mit ähnlich hohen Erzeugerpreisen, jedoch sei bisher nicht der deutliche Einbruch wie im März 2008 zu befürchten. Als Grund nennt Irps, dass die Prognosen zur Weltversorgungsbilanz für Weizen 2010/2011 einen höheren Verbrauch vorhersagen, als Ernte prognostiziert wird. Die Restbestände werden sich demnach um 14 Mio. t auf 182 Mio. t leicht verringern, zudem würden Länder wie China und Indien ihre Lagerbestände an Getreide weiter aufbauen. Für die Preisgestaltung von Ölsaaten, aber auch für die von Getreide sei derzeit die positive Entwicklung des Erdölpreises verantwortlich. Vorteile sieht der Experte bei der Vermarktung von Inlandraps für die Biodieselerzeugung, da dieser insbesondere als nachhaltig zertifizierte Ware nachgefragt werde. Die Rapsernte aus dem Jahr 2011 wird allen Schätzungen nach den Bedarf an Bioethanol und Speiseölen nicht decken können, sodass ein Anstieg der Preise erwartet wird. Der Experte betonte, dass die Preistendenzen für Raps, Weizen sowie Soja derzeit alle positiv seien, unter anderem begründet durch die Knappheit an den Märkten.
Der Ausschussvorsitzende Heinrich Kröger berichtete anschließend über die Hintergründe, die zur Erarbeitung der Handlungsempfehlungen für künftige Vertragsabschlüsse (Vorkontrakte) geführt haben. Die teilweise unbefriedigenden Vertragsabwicklungen der Ernte 2010 hätten dazu geführt, sich mit diesem Thema intensiver zu befassen. Mecklenburg-Vorpommern habe ähnliche Überlegungen zu den Handlungsleitlinien begonnen, die dann in Zusammenarbeit mit dem Landesbauernverband Schleswig-Holstein weiterentwickelt wurden. Eine Zusammenarbeit der beiden Länder ist laut Kröger sinnvoll, da häufig dieselben Landhändler in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein tätig sind. Die Handlungsleitlinien wurden nicht als Mustervertrag, sondern als Checkliste ausgearbeitet, aus der sich geeignete Einzelverträge entwickeln ließen. In der kommenden Woche sind gemeinsame Gespräche mit Vertretern des Landhandels vorgesehen, um die künftige Vorgehensweise zu erörtern.
Dr. Susanne Werner
Bauernverband Schleswig-Holstein
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