Agrarpolitik
02.09.2010 -
Fehmarnbeltquerung mit Folgen für die Agrarstruktur

- © Foto: Sönke Hauschild
Jetzt kommt das Raumordnungsverfahren
Die Fehmarnbeltquerung scheidet die Geister und erhitzt die Gemüter in Ostholstein: Aus infrastruktureller Sicht hält das Land den Brückenschlag zwischen Skandinavien und Deutschland für notwendig. Die Bevölkerung vor Ort reagiert je nach Betroffenheit anders.
Landwirt Karsten Kühl aus Neuhof bei Ratekau hält die Querung eindeutig für nicht notwendig. Kühl bewirtschaftet einen arrondierten Pachtbetrieb mit Eigentumsflächen und hat gute Gründe, gegen die Querung zu sein. Denn die geplante Hinterlandanbindung der Bahnstrecke verläuft mitten durch seinen Betrieb. Sie trennt nicht nur Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude, sondern zerschneidet die gesamte Betriebsfläche von 300 ha in zwei gleiche Teile. Und das Altenteilerhaus seines Vaters würde dann zwischen Autobahn und Schiene liegen, jeweils 50 bis 100 m vom Haus entfernt.
Wird die Trassenplanung so umgesetzt, hat Kühl in Zukunft einen „Arbeitsweg“ von 2 km zur abgetrennten Hälfte der Flächen. Denn die Bahn richtet bei Neutrassierungen keine „höhengleichen“ Übergänge mehr ein. Brücke oder Tunnel kommen aber offensichtlich auch nicht infrage. Durch eine diagonale Teilung des Kühl’schen Betriebes entstehen zudem zahlreiche Keilstücke, die eine Bewirtschaftung erheblich verteuern. Neben der für die Trasse benötigten Fläche fallen weitere 10 ha aus der Nutzung, weil sie von der Bewirtschaftung abgeschnitten werden. Nicht einmal dem Naturschutz dienten solchen Flächen, da die Vernetzung fehle, kritisiert Kühl.
„Totflächen“ nannte Heiner Kröger, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Ostholstein-Lübeck, solche Flächen am vorigen Freitag in Neuhof. Gemeinsam mit dem Verband hatte Kühl Staatssekretärin Dr. Tamara Zieschang aus dem zuständigen Verkehrsministerium und Karin Druba, Leiterin der Projektgruppe Fehmarnbeltquerung im Ministerium, zum Gespräch eingeladen. Geschäftsführer Holger Schädlich ergänzte, dass eine Betroffenheitsanalyse sich immer an „Köpfen“ orientiere. Und dabei hätten die Bäderorte wie das nahe gelegene Timmendorfer Strand immer die größeren Chancen, sich durchzusetzen. Derzeit verläuft die Trasse am Ortsrand des bekannten Ostseebades. Die Bevölkerung fordert eine Verlegung.
„Jede Variante trifft jemanden“, wiegelte Zieschang ab, erläuterte aber, dass man statt des Planfeststellungsverfahrens nun in ein Raumordnungsverfahren einsteigen werden, das eine fächerübergreifende Interessenabwägung fördere. Ziel des Verfahrens sei ein Vorschlag mit geringstmöglicher Betroffenheit der Anlieger. Es könne nicht sein, dass eine Bewirtschaftung des Betriebes Kühl nach der Maßnahme nicht mehr möglich sei, betonte Zieschang. Heiner Kröger kritisierte, dass mit der neuen Trassenführung bestes Ackerland verloren gehe. Es müsse das Bestreben sein, diesen Verlust möglichst gering zu halten. Auch sei es für den Betrieb Kühl angesichts der beengten Lage zwischen Ostsee und einem FFH-Gebiet nahezu unmöglich, entsprechende Ersatzflächen zu erhalten.
Kröger berichtete weiter, dass ein notwendiges agrarstrukturelles Gutachten zur Berechnung der wirtschaftlichen Auswirkungen von der AktivRegion gefördert werden könne. Jedoch weigere sich die Bahn bisher, die anteilige Kofinanzierung zu übernehmen. Dabei gehe es hier um eine angesichts des geplanten Investitionsvolumens absolut geringe Summe. Druba konnte von positiven Entwicklungen berichten. So werde geprüft, der Bahn ein derartiges Gutachten als Voraussetzung für das Raumordnungsverfahren aufzuerlegen.
Holger Schädlich zeigte sich am Ende zufrieden: „Mit einem neuen Verfahren eröffnen sich neue Möglichkeiten. Das agrarstrukturelle Gutachten bleibt jedoch Voraussetzung für ein faires und abgewogenes Ergebnis.“ Sönke Hauschild





