Agrarpolitik
02.09.2010 -
„Rindermast ist etwas für Spezialisten“
Rindermastbereisung durch den Altkreis Schleswig
Deutlicher Tenor der diesjährigen Rindermastbereisung durch den Altkreis Schleswig: Die Rindermast wird zunehmend eine Sache von Spezialisten. Dies betonte auch Landesbauernpräsident Werner Schwarz auf der Abschlussbesprechung. Die Schwierigkeiten, die bei der Haltung, Schlachtung und Vermarktung auftreten, wurden dabei verdeutlicht. Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf, die zum ersten Mal an der Reise teilnahm, hob den direkten Kontakt mit der Praxis hervor und sieht darin die Möglichkeit, gemeinsam Probleme anzugehen und Lösungen zu finden.
Jens Otte aus Schuby setzt in seinem Betrieb auf viele verschiedene Standbeine, die sich ergänzen. So betreibt er einen Milchvieh-Futterbaubetrieb, bei dem er von den 115 schwarzbunten Milchkühen neben der weiblichen auch die männliche Nachzucht behält. Diese mästet er auf zirka 360 kg Schlachtgewicht aus. Außerdem setzt er noch auf Erneuerbare Energien und betreibt eine Photovoltaikanlage, Windkraftanlagen und mit fünf weiteren Gesellschaftern eine Biogasanlage mit 500 kW, die zum Teil mit Gülle betrieben wird. „Die Mastbullen laufen bei mir allerdings so mit. Sollte sich das arbeitswirtschaftlich eines Tages nicht mehr rentieren, dann schaffe ich sie ab“, so Jens Otte.
Auch Siegfried Dalesch aus Bergenhusen hat sich mehrere Standbeine aufgebaut. Er mästet zirka 600 Tiere aller Rassen, die er als Magertiere von unterschiedlichen Betrieben zukauft. Die Schlachtung und Verwertung dieser und weiterer zugekaufter Tiere erfolgt dann in der eigenen Schlachtanlage. Dort werden im Jahr etwa 3.000 Rinder und 500 Pferde geschlachtet. Die Vermarktung läuft zum einen Teil direkt an Endkunden und zum anderen Teil an den Lebensmittelgroßhandel. Des Weiteren handelt Dalesch im Jahr noch ungefähr 10.000 Rinder, die er entweder an Danish Crown in Husum oder zwischen den Landwirten vermarktet.
Bei Danish Crown trifft man in der Schlachterei auf etwas andere Dimensionen. „Wir schlachten im Jahr etwa 100.000 Rinder und 55.000 Lämmer“, berichtet Geschäftsführer Karl-Heinz Sievers bei einem Rundgang durch den Vorzeigebetrieb, der im vergangenen Jahr runderneuert wurde.
Auf dem Nebenerwerbsbetrieb von Dr. Jan Bielfeldt in Erfde zeigt sich, wie man mit konsequenter Zucht auch eine kleine Herde zum Erfolg bringen kann. Bielfeldt setzt auf genetisch hornlose Limousins und hat eine Herde mit 25 Mutterkühen, deren Nachzucht, zwei Deckbullen und zwölf Zuchtbullen, die von seinen beiden Onkeln betreut werden. „Wir setzen vor allem auf den Verkauf der Zuchtbullen. Zwei Mal im Jahr führen wir bei unseren besten Mutterkühen eine Embryonengewinnung durch und können so mehr Nachkommen von einer Kuh bekommen“, erzählt Bielfeldt.
Auf die Rasse Limousin setzt auch Frank Rahn aus Tielen. „Wir vermarkten Gebrauchskühe und -bullen und mästen einige Tiere auch selber“, sagt er. Geplant ist, dass er und Jan Bielfeldt ihre Betriebe zusammenlegen. „Dabei übernimmt Frank Rahn dann eher die alltägliche Arbeit, und ich kümmere mich um die Vermarktung und Zucht“, erzählt Bielfeldt.
Peter Raabe vom Fleischerverband Schleswig-Holstein stellte das neue Markenfleischprogramm „Qualitätsrindfleisch aus Schleswig-Holstein – Meisterhandwerk“ vor. Mit dieser Marke soll in zugelassenen Fleischerfachgeschäften Rindfleisch aus Schleswig-Holstein gekennzeichnet werden. Auf der Norla wird das Markenfleischprogamm weiter beworben, das nach Angaben von Raabe schon jetzt einen guten Zuspruch hat.
Auf der Abschlussveranstaltung in Treia erklärte Bauernverbandspräsident Werner Schwarz, es sei auf den vier besuchten Betrieben deutlich geworden, dass die Rindfleischerzeugung weiterhin eine „Sache für Spezialisten“ sei. Erfreulich sei die derzeitige Preisstabilität. „Unser Problem sind die hohen Produktionskosten, die durch besondere Auflagen in den Bereichen Tierhaltung, -fütterung und -transport entstehen. Denn deutsches Rindfleisch muss im weltweiten Wettbewerb bestehen“, stellte Schwarz klar. Vor allem mit Blick auf den Hauptkonkurrenten Südamerika müsse eine Chancengleichheit für heimische Betriebe geschaffen werden. „Das Niveau der Kontrolldichte in Südamerika ist mit unseren Kontrollen nicht ansatzweise vergleichbar. Wir müssen uns im Klaren sein, dass hier ein Kernproblem liegt. Wir sollen uns am Markt bewähren, haben aber mit unserem Produktionsstandard ein so hohes Kostenniveau erreicht, dass wir nur schwer konkurrenzfähig sind. Hier muss die EU dafür Sorge tragen, dass privilegierte Importe auch die annähernd gleichen Bedingungen zu erfüllen haben wie die Produkte unserer heimischen Erzeuger“, so Schwarz weiter.
Der Bauernverbandspräsident stellte den Verein „Wir erzeugen Fleisch“ vor, den die deutsche Fleischwirtschaft auch unter Beteiligung des Deutschen Bauernverbandes gegründet hat. Dieser soll Informationen zur heimischen Fleischproduktion der Öffentlichkeit vermitteln und damit auch Vorurteilen und falschen Tatsachendarstellung begegnen.
Ministerin Juliane Rumpf zeigte sich ebenfalls angetan von den vier besuchten Betrieben. „Wir haben eine gute Rohwarenproduktion in unserem Land. Eine notorische Schwäche besteht bei der Weiterverarbeitung und Vermarktung. Hier müssen wir die Strukturen noch deutlich verbessern“, so Rumpf. Die Schlachthofstrukturen im Bereich Rind seien im Gegensatz zu denen bei Schweinen in Schleswig-Holstein gut. Es gebe noch etwa 200 Rinderschlacht- und -zerlegebetriebe. „90 % des Schlachtrinderaufkommens werden noch im Land verarbeitet. Im Bereich der Schweine versuchen wir , mit dem Bauernverband und weiteren Akteuren Wege herauszuarbeiten, um die Struktur zu verbessern“, sagte Juliane Rumpf.
Die Forderung, die Zertifizierung von QM im Milchviehbereich mit der QS-Zertifizierung gleichzusetzen, wurde von allen Beteiligten als zu prüfender Vorschlag aufgenommen. „Wir werden versuchen, einen Weg zu finden, die Auditorien gleichzusetzen. Allerdings muss eine Vergleichbarkeit geschaffen werden“, bestätigte Dr. Hermann-Josef Nienhoff, Geschäftsführer der QS.
Klaus Neve, Spezialberater für Rindermast- und Mutterkuhbetriebe von der Rindermastberatung Blekendorf, machte anhand von konkreten Zahlen aus seiner Beratungspraxis deutlich, dass mit einer überdurchschnittlichen Produktionstechnik in der Rindermast Gewinne zu erzielen sind. Außerdem stellte er klar, dass es mit dem Abschmelzen der Prämien für die Betriebe immer wichtiger werde, die Produktionstechnik weiter zu verbessern.
Ann-Katrin Gerwers






