Agrarpolitik
19.02.2010 -
Stiftung Naturschutz legt neue Laichgewässer rund um den Vollstedter See an
Foto 1: Im frisch gebaggerten „Suchkreuz“ begutachten Florian Biebelriether (li.) und Per Ravn von AmphiConsult sowie Veronika Breuer von der Stiftung Naturschutz die Bodenbeschaffenheit in der Klein Vollstedter Feldmark. Foto: Tonio Keller
Foto 2: Die Kaulquappen der Knoblauchkröte sind im Schnitt 8 bis 10 cm lang, können aber in Einzelfällen auch bis zu 22 cm erreichen. Foto: Stiftung Naturschutz
Habitat für die Giganten unter den Kaulquappen
Sie sind die Giganten der Kaulquappenwelt, die Larven der Knoblauchkröte: 8 bis 10 cm lang im Schnitt, das ist schon ganz schön groß, aber es kommen sogar Einzelexemplare von bis zu 22 cm Länge vor. „Die Mönche früher sollen sie gegessen haben, wenn sie sie in ihren Fischteichen fanden“, hat Thomas Voigt gehört, der Pressesprecher der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Heute ist die Knoblauchkröte vom Aussterben bedroht und streng geschützt. Rund um den Vollstedter See im Kreis Rendsburg-Eckernförde kommt sie noch vor. Um ihr – und anderen Amphibien – gute Lebensbedingungen zu schaffen, legt die Stiftung Naturschutz dort auf ihren Flächen neue Laichgewässer an.
Wie viele Knoblauchkröten rund um Klein Vollstedt leben, weiß man gar nicht, denn sie sind sehr zurückhaltend. „Sie rufen nicht laut, es hört sich an wie eine Nähmaschine unter Wasser“, sagt Per Ravn von der dänischen Firma AmphiConsult, die mit der biologischen Bauleitung beauftragt ist. Aber es gab immer wieder Einzelfunde von toten Tieren, zum Beispiel in Kellern: „Es müssen also welche da sein!“
Ein wahres „Froschparadies“ soll jetzt auf den Flächen der Stiftung in Gesamtgröße von 60 bis 70 ha rund um den Vollstedter See entstehen, und es soll nicht nur der Knoblauchkröte ein Zuhause bieten. Auch Kammmolch, Laub- und Moorfrosch tummeln sich dort – oder sollte man „tümpeln“ sagen? Und da jeder Lurch unterschiedliche Bedingungen bevorzugt, werden auch bewusst unterschiedliche Gewässerformen angelegt. „Die Knoblauchkröte gräbt sich gerne ein, bis zu 60 cm tief, und baut ihre Tagesverstecke zu regelrechten Wohnhöhlen aus. Sie braucht dafür ,Störstellen’ am Gewässerrand. Die werden durch Beweidung erreicht“, erklärt Veronika Breuer, als Flächenmanagerin der Stiftung für das Projekt zuständig. Der Laubfrosch liebt hingegen krautige Tümpelränder, Stauden zum Klettern und Jagen. Deshalb darf die Beweidung nicht alles kurz halten, was bei offenen Weidelandschaften ja auch nicht der Fall ist. Der Moorfrosch stellt weniger hohe Ansprüche an das Laichgewässer, braucht aber einen durchwegs nassen Lebensraum mit Grundwasser nahe der Oberfläche. Aber auch gelegentliches Trockenfallen mancher Tümpel ist erwünscht – damit eingewanderte Fische sterben, die Fressfeinde der Amphibien.
So soll eine Vielzahl von unterschiedlichen kleinen Gewässern entstehen – seicht oder tief, beständig oder variabel, auch Überschwemmungswiesen werden dabei sein, „aber ausschließlich auf Stiftungsland, auf angrenzenden Feldern wird man keine nassen Füße bekommen“, betont Veronika Breuer. – „Gerade diese Kombination bietet sich hier als vielversprechend an“, meint Arne Drews vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR): „Wir waren oft mit der Anlage eines einzelnen Teiches in der Landschaft nicht erfolgreich.“ Und um diese Ideen auch Landwirten schmackhaft zu machen, ergänzt er: „Die Stiftung will hier auf ihren eigenen Flächen mit gutem Beispiel voran gehen.“ Weshalb sich dieses Gebiet besonders eignet: Es wird nicht durch Straßen zerschnitten, die die Amphibien auf ihren Wanderungen gefährden – einer der Gründe für ihre drastische Dezimierung.
Wie viele Teiche es in der Vollstedter Feldmark geben wird, kann derzeit noch gar nicht gesagt werden, denn das hängt sehr von den Eigenschaften der dortigen Böden ab. Deshalb werden zunächst 15 bis 20 „Suchkreuze“ gesetzt – gebaggerte Gräben in Kreuzform –, in denen der Boden untersucht und nach vorhandenen Drainagen Ausschau gehalten wird. Das Archäologische Landesamt begleitet diese Maßnahmen. „Es kann sein, dass wir 20 Kreuze setzen, aber dann nur an zehn Stellen etwas machen“, erklärt Per Ravn. Aber mit 15 bis 20 Gewässern rechnet er schon. Und dass bald wieder mehr „Giganten der Kaulquappen“ die Tümpel bei Klein Vollstedt bevölkern.
Wer sich inzwischen Sorgen macht, wie groß die erwachsenen Knoblauchkröten werden, kann beruhigt sein: nur 6 bis 7 cm.
Tonio Keller





