Agrarpolitik
15.01.2010 -
Extensive Winterweide in ehemaligen Kiesgruben bei Damsdorf
Foto 1: Robust und kältetauglich bis –30 Grad C: die Galloways.Foto 2: Ein Kettenbagger der Firma Dräger Landschaftsbau legt das Feuchtbiotop in der ehemaligen Kiesgrube an. Es wird den Rindern als Tränke und den Lurchen als Laichplatz dienen. Fotos: Stiftung Naturschutz
Wo der Lurch dem Galloway „Guten Tag“ sagt
„Ohne Moos nichts los“, heißt es im Volksmund. Ohne Kies ist aber sehr wohl noch was los in den ehemaligen Kieskuhlen bei Damsdorf im Kreis Segeberg. Dort haben nämlich Mitte Dezember 15 zottelige Galloways der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ihre Arbeit als Ökorasenmäher aufgenommen – und dies tun sie nun extra im kalten Winter.Die kreiseigenen Kiesgruben haben sich nach Nutzungsaufgabe vor 15 Jahren zu einer ökologisch wertvollen „halboffenen Landschaft“, gekennzeichnet durch eine Mischung aus Bäumen, Sträuchern und offenen Bereichen, entwickelt. Die Robustrinder werden künftig in der Zeit von Oktober bis April mit ihrem Appetit auf Grünzeug dafür sorgen, dass die Weidefläche nicht von Bäumen und anderem unerwünschtem Bewuchs dominiert wird. Neben Kreuzkröte, Thymian und Wundklee soll davon besonders die europaweit streng geschützte Zauneidechse profitieren. Sie liebt es, schon morgens ein ausgiebiges Sonnenbad zu nehmen, um auf „Betriebstemperatur“ für den Beutefang zu kommen.Damit die „Winterweide“ in Betrieb genommen werden kann, hat der Kreis Segeberg zuvor die Flächen eingezäunt, eine Fanganlage gebaut und ein neues Kleingewässer für die Amphibien angelegt. Für die Einzäunung in Länge von 5 km und die Rinderfanganlage – etwa zum Zweck medizinischer Untersuchungen – hat der Kreis 30.000 investiert. Die Stiftung Naturschutz hat als Pächterin die dauerhafte Pflege und Offenhaltung des Geländes übernommen. Denn die Büsche sind inzwischen schon zu kleinen Bäumen geworden, und im Laufe der Jahre würde das Gelände unweigerlich als Wald zuwachsen. Das derzeitige ökologisch wertvolle Biotop wäre dann ein Gehölz wie jedes andere. Die Galloways werden das zu verhindern wissen. Sie grasen nun auf einem 31 ha großen Teil der zwei ehemaligen Kiesgrubengebiete, die insgesamt 25 und 36 ha groß und durch einen ehemaligen Förderbandtunnel miteinander verbunden sind, und der dient auch den Rindern als Verbindungsweg. Die 15 Galloways stammen aus dem Bestand des Eigenbetriebs der Stiftung Naturschutz, dessen 1.300 Tiere derzeit an etwa 140 verschiedenen Orten eingesetzt werden. „Galloways sind robust, anspruchslos und halten locker –30 Grad C aus“, betont Dirk Andresen, der sich selbst scherzhaft „Galloway-Cowboy“ nennt. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins Weidelandschaften, der mit der Betreuung der Rinder beauftragt ist. Die Beweidung ist mit 0,5 Tieren/ha besonders extensiv. Der Vertrag zwischen dem Kreis und der Stiftung Naturschutz hat vorerst eine Laufzeit von fünf Jahren.Doch nicht nur für die Rinder wurde gesorgt, auch den dort heimischen Lurchen soll es gut gehen. Um für die Amphibien noch besseren Lebensraum zu schaffen, wurde ein Feuchtbiotop von 2.500 m2 Größe mit einer etwa 600 m2 offenen Wasserfläche angelegt. Es dient zugleich den Rindern als Tränke und den Lurchen als Laichgrund. Mit der Ausführung der Feuchtbiotopanlage waren das Lohnunternehmen Dräger Landschaftsbau in Kükels und die Firma Becker Bau aus Bornhöved beauftragt, Letztere im Rahmen einer Ausgleichsverpflichtung. Der Kreis Segeberg hatte die Flächen Mitte der 1970er Jahre erworben und an Kiesabbaufirmen zur Bewirtschaftung vergeben. Vor 15 Jahren wurde der Kiesabbau eingestellt. Die Zukunft des Geländes blieb zunächst ungewiss, und leicht hätte es geschehen können, dass statt Kröten, Eidechsen und Thmyian sich dort Blechdosen, Bauschutt und Autoreifen angesiedelt hätten. Denn zunächst war der Standort für eine Mülldeponie vorgesehen gewesen.pm/Tonio Keller





